„Attacke auf die Reichen: Beschimpfen, besteuern, enteignen?“, lautet das Thema bei Sandra Maischberger am Mittwochabend um 22.45 Uhr. Mit diesem Titel bestätigt die „Maischberger“-Redaktion den Trend, die Talkshow-Titel immer reißerischer und tendenziöser werden zu lassen. Er suggeriert, dass Reiche derzeit ständig attackiert werden und ihr Vermögen in Gefahr ist. Dabei soll es in der ARD lediglich um die SPD-Pläne für eine Reform des Sozialstaats gehen.

Zuletzt hatte Frank Plasberg heftige Kritik auf sich gezogen, als er bei „Hart aber fair“ fragte: „Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?“ Dem ARD-Journalisten wurde im Vorfeld Populismus vorgeworfen.

Die Gäste

Kevin Kühnert, SPD, Juso-Vorsitzender

Werner Mang; Schönheitschirurg

Marie-Christine Ostermann, Unternehmerin

Michael Prütz, Miet-Aktivist

Rainer Hank, Wirtschaftspublizist

Ulrike Herrmann, Journalistin

Aktualität

SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil hat ein Konzept einer allgemeinen Grundrente vorgelegt, um Altersarmut zu bekämpfen. Die Union lehnt dies allerdings kategorisch ab, weil damit keine Bedürftigkeitsprüfung verbunden ist. Eine Einigung in dieser Legislaturperiode ist damit sehr unwahrscheinlich. Außerdem will die SPD den Mindestlohn anheben. Die Sozialstaatsreform soll durch Steuergelder finanziert werden – höhere Einkommen und Vermögen würden dann stärker besteuert. Derzeit liegt der Spitzensteuersatz bei eher niedrigen 42 Prozent, die Vermögenssteuer wurde bereits vor Jahren abgeschafft. Müssen Reiche jetzt wirklich Angst um ihr Vermögen haben? Oder ist nicht vielmehr die Politik dringend gefordert, über höhere Steuern die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinander gehen zu lassen?

Konfliktpotenzial

Es dürfte ein kurzweiliger Abend werden. First-Class-Flüge, Ferrari, Immobilien in besten Lagen: Schönheitschirurg Werner Mang macht keinen Hehl aus seinem Reichtum und dürfte so als Reizfigur des Abends dienen. Mang hat sich nach einem Bekunden alles selbst erarbeitet, und trotz seines Vermögens bezeichnet er sich als „geerdet“, er wisse „auch 10 Euro zu schätzen“.

Ob er damit bei Kühnert und dem Berliner Aktivisten Michael Prütz durchkommt, bleibt abzuwarten. Kühnert ist Talkshow-gestählt, eloquent und wird die SPD-Pläne auch argumentativ gut vertreten können. Kühnerts These: Reiche profitierten von den guten Rahmenbedingungen in Deutschland und sollten der Gesellschaft daher einen Teil zurückgeben.

Zumindest inhaltliche Unterstützung dürfte Mang von Unternehmerin Ostermann und Wirtschaftsjournalist Hank bekommen. Das System Kapitalismus habe sich in Deutschland bewährt, und schließlich finanzierten die Reichen mit ihren Steuern bereits jetzt einen Löwenanteil des Sozialstaats. Für sie ist das Stichwort Enteignung ein rotes Tuch. 

Genau das aber will Prütz für Berlin mit seinem hart umkämpften Wohnungsmarkt erreichen: Immobilienunternehmen, die mehr als 3000 Wohnungen besitzen, soll es an den Kragen gehen. Seine Begründung: Dies seien Immobilienhaie, die ihrer Verantwortung den Mietern gegenüber nicht gerecht würden und nur auf Profit ausgelegt seien. Viele Wohnungen hätten diese Konzerne zu Schleuderpreisen von der öffentlichen Hand übernommen. (cme)