Schon im Vorfeld hatte es in den sozialen Netzwerken Kritik am reißerisch formulierten Thema bei „Maischberger“ gegeben. So suggeriert der Titel zum einen, dass Reiche in Deutschland diskriminiert und gar denunziert werden. Außerdem kritisieren einige zu Recht, dass „beschimpfen“ hier mit „besteuern“ in einen Topf geworfen wird:

Der Auftakt zu einer sachlichen Diskussion sieht anders aus – aber das ist gar vermutlich auch gar nicht der Wunsch der Redaktion. So hatte man sich mit Schönheitsdoktor Werner Mang eine Reizfigur eingeladen. Fühlt sich Mang, der in der Welt der Promis und Millionäre zu Hause ist, in Deutschland diskriminiert? Den Eindruck macht er absolut nicht. Er sei glücklich und „zeige das gerne“, so Mang. Dennoch kritisierte er die „Neidgesellschaft“: „In Italien wird mein Ferrari gestreichelt, in Deutschland zerkratzt“, erzählt Mang, der sich seinen Reichtum nach eigenen Angaben hart selber erarbeitet hat. „Mir geht es mit meiner Klinik nur so gut, wie es meiner Putzfrau geht“, prahlt der Superreiche mit seinemsozialen Gewissen.

Ob seine Meinung über Flüchtlinge auch dazu passt? Angela Merkels Politik nennt Mang „verfehlt“. Man hätte das Geld besser für die Schaffung von sozialem Wohnraum verwendet. Diese Äußerung ist eine Steilvorlage für Juso-Chef Kühnert: „Also Flüchtlinge raus?“, hakt er bissig nach. Überhaupt läuft der Talkshow-gestählte Kühnert zu Hochform auf. Gegen die von Mang verkörperte Charity-Gesellschaft, die seiner Meinung nach Almosen an Bedürftige verteilt, teilt er mit dem Beispiel Uli Hoeneß aus:  „Als Uli Hoeneß verurteilt wurde, da hat er sich empört und gesagt: Er sei immer so wohltätig gewesen und habe so viel gespendet“, erinnert der Juso-Chef. Aber so funktioniere das Zusammenleben in einem Sozialstaat nun mal nicht.

„Menschen brauchen einen Rückzugsort“

Der Fokus der Diskussion liegt auf dem Thema bezahlbarer Wohnraum. Mit Michael Prütz hat Sandra Maischberger den Hauptakteur einer Berliner Initiative zur Enteignung der großen Immobilienunternehmen eingeladen. Für ihn sind die großen Wohnungskonzerne Profitgeier, die Mieter seien ihnen ausgeliefert.

Während das Stichwort Enteignung für Unternehmerin Ostermann („Arme Menschen werden nicht reicher, wenn man den Reichen noch mehr wegnimmt“) und Wirtschaftspublizist Hank („Sie sollten mal nach London gehen, dann wüssten sie, wie teures Wohnen aussieht“)  ein rotes Tuch ist, kann der Juso der Idee durchaus etwas abgewinnen. „Mit welchem Recht hat jemand mehr als 20 Wohnungen? Ich finde es richtig, sich da zu positionieren“, sagt er provokant. Zumindest würde das von Prütz organisierte Volksbegehren die Diskussion voranbringen.

Ob Kühnert sich von Mang bremsen lässt? Dieser versucht auf väterliche Art zu beschwichtigen: „Sie sind ein gutaussehender, intelligenter junger Mann, der eine große Zukunft hat“, sagt er in Richtung Kühnert. „Aber mit Reichensteuer und Enteignungen kommen Sie nicht weiter!“ So etwas zerlege die Demokratie. (cme)