Das französische Label „harmonia mundi“ gönnt sich den Luxus dramaturgischen Denkens. Nicht nur gibt es zu den Jubiläen etwa Debussys und Beethovens neue Einspielungen der Hauptwerke in Auftrag und sorgt dabei für interpretatorische Vielfalt durch die Verpflichtung verschiedener Musiker; nicht nur erwirbt es sich ausdauernd enorme Verdienste um die ringsum lange Zeit wenig geliebte französische Barockmusik. Auch untergründig ergeben sich Verbindungen, wenn einige der Neuerscheinungen der letzten Wochen dem Einfluss Italiens auf das britische Musikleben nachgehen. Zwei CDs befassen sich mit dem Einwanderer Nicola Matteis, der um 1672 mit seiner Geige in London anlangte – „Einwanderer“ ist übrigens bis auf die Fahrt über den Ärmelkanal wörtlich zu nehmen: Matteis wanderte zu Fuß aus seiner Heimat in den Norden und kam dabei auch durch Deutschland. Aber in London, das gerade Oliver Cromwell, die Pest und einen verheerenden Brand überstanden hatte und Amsterdam als Zentrum des europäischen Finanzhandels abzulösen im Begriff stand, waren die Aussichten für einen freien Künstler interessanter.

Matteis war ein Virtuose von ungewöhnlicher Kapazität; nicht nur seine Fingerfertigkeit erregte Erstaunen, man bewunderte auch seinen nahezu menschlich sprechenden Violinton und eine Doppelgrifftechnik, die wie ein „Consort mehrerer Instrumente“ klinge.

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