Ein sonniger Morgen in einem Restaurant am Berliner Schlachtensee. Entspannt sitzt Sarah Connor im ärmellosen Mick-Jagger-T-Shirt da und gibt den Blick frei auf ihre Tattoos. Ihr blondes Haar hat sie zum Zopf gebunden, sie ist gänzlich ungeschminkt – ein schöner Anblick. Fünf Jahre sind vergangen, seit ihr letztes Album erschienen ist. Die Sängerin hat aus Fehlern gelernt, sie lebt zurückgezogen. Und sie hat die letzten Jahre genutzt, um sich neu zu erfinden. Die Texte für ihr neues Album „Muttersprache“, seit Freitag auf dem Markt, hat Sarah Connor erstmals selbst geschrieben. Und sie singt jetzt auch auf Deutsch – ebenfalls eine Premiere.

Frau Connor, Sie wohnen seit fünf Jahren am Stadtrand von Berlin. Wie ist Ihr Leben dort?

Ich komme ja vom Land. Ich habe mir also den ländlichsten Ort von Berlin gesucht, den ich finden konnte. Ich wäre sogar noch ein bisschen weiter rausgezogen. Wenn ich jetzt noch ein bisschen fahre, kann ich schon richtig weit gucken. Das bedeutet für mich Erholung. Draußen bei den Pferden.

Wie viele Pferde haben Sie denn?

Zwei Ponys, meine Mädchen reiten beide. Ich habe kein eigenes Pferd mehr, weil ich es zeitlich nicht mehr schaffe. Aber durch meine Kinder komme ich wieder öfters dazu, rauszufahren, im Dreck und an der frischen Luft zu sein. Ich brauche solche echten Momente, um runterzukommen. Das Leben in der Stadt ist nichts für mich, es ist mir zu schnell. Ich bin sehr selten in Berlin-Mitte und im Kreuzberg-Trubel unterwegs – nur zum Arbeiten oder wenn Freunde zu Besuch kommen.

Wo stehen denn die Pferde?

In einem kleinen Offenstall mitten auf dem Feld. Im Sommer ist das herrlich, im Winter auch mal etwas ungemütlich. Ab 16 Uhr wird’s dunkel, dann müssen wir zum Generator, das Flutlicht anschmeißen und gucken, dass keiner verloren geht. Das fühlt sich ein bisschen nach früher an. Klein und bescheiden.

Hat Sie Berlin trotzdem verändert?

Schon. Berlin ist bunt und flexibel. Rau und authentisch. Ich bin viel näher an der Szene, am kreativen Puls. Und seit ich hier lebe, sind meine Tage mit anderen Sachen gefüllt. Man kann, wenn man möchte, unheimlich viel in einen Tag hineinstopfen. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob das gut ist oder nicht. Aber ich habe einen guten Mittelweg gefunden.

Hadern Sie mit der Ablenkung, die Berlin bietet?

Jetzt nicht mehr. Ich gehe auch nicht auf Medienveranstaltungen oder diese Partys, wo Hunderte Fotografen rumlaufen. Das ist gar nicht mein Ding.

Haben Sie sich diesbezüglich verändert?

Ich war auch früher nur auf Verleihungen oder VIP-Veranstaltungen, wenn ich beruflich damit zu tun hatte. Rote Teppiche sind mir unangenehm. Ich versuche sie weitestgehend zu meiden.

Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit war eine andere, was vermutlich an der Reality-TV-Show „Sarah & Marc In Love“ lag, die 2005 Einblicke in Ihr Privatleben gab.

Die Sendung hat alles verändert. Das war schon krass. Denn am Ende des Tages wirkte es so, als wäre ich ständig irgendwie überall. Dabei bin ich eigentlich immer und meistens zu Hause. Ich bin ein total zurückgezogener Mensch, der gerne Freunde bei sich hat und Barbecues macht. Ansonsten habe ich einen relativ geregelten, normalen Alltag. Ich gehe zur Arbeit ins Studio, und nachmittags bin ich bei meinen Kindern.

Hat Sie das mitgenommen, in der Öffentlichkeit anders dargestellt zu werden? Oder haben Sie das gar nicht an sich herangelassen?

Doch, natürlich. Im Nachhinein hat die Sendung viel zu sehr abgelenkt vom Wesentlichen – der Musik. Heute blicke ich aber zurück und bereue überhaupt nichts. All die Narben, all die Momente, die ganzen Ausschläge meiner Biografie – das gehört alles dazu und zu mir. Es ist auch richtig so, dass man Dinge macht, von denen man hinterher denkt: Das würde ich jetzt nicht noch mal so machen! Eins hab ich gelernt: Ich kann immer wieder neu entscheiden, was ich tue, und was ich nicht tue, das ist das Faszinierende am Leben.

Aber Sie haben immer noch gegen dieses Image von damals anzukämpfen, oder?

Ganz ehrlich: Ich habe drei Kinder – eins davon ist herzkrank geboren. Meine achtjährige Tochter ist bis heute das Kind, das mich oft nachts wach hält. Ich verwende nicht so viel Zeit darauf, darüber nachzudenken, was ich hätte anders machen können oder was gerade blöd läuft. Ich versuche, im Jetzt zu leben und den Moment zu genießen.

Als Ihre Karriere in Amerika gerade losgehen sollte, haben Sie lieber eine Familie gegründet.

Daran denke ich immer nur, wenn mich Leute darauf ansprechen. Aber es stimmt: Ich hätte mich für eine eventuell weltweite Karriere entscheiden können, aber ich habe mich dafür entschieden, meinen Sohn in Ruhe in Amerika zur Welt zu bringen und die Zeit mit ihm zu genießen. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens.

+++ Im folgenden Abschnitt lesen Sie, welches Lied Sarah Connor ihrem Mann gewidmet hat und was sie vom Kiffen hält +++