Berlin - Sasha Waltz sitzt auf dem Zwischendeck des Radialsystems. Sie ist sorgfältig geschminkt und frisiert und trägt eines dieser exzentrischen Designerkleider, die sie so mag. Sie erzählt von Medea, von Christa Wolf und vom Matriarchat. Ihre Stimme klingt gequetscht und viel zu hoch, wie immer, wenn sie sich unter Druck fühlt. Es ist ein Sommertag im Jahr 2007. Die Compagnie Sasha Waltz & Guests hat wegen der anstehenden Uraufführung der Oper „Medea“ zum Gespräch geladen. Es ist eine Szene, die man in Erinnerung behält. Wegen Sasha Waltz' Angestrengtheit – und wegen des Kontrasts zum angereisten Komponisten der „Medea“-Oper, Pascal Dusapin, der sich lässig zurücklehnt und maliziös die Lippen schürzt, wenn Sasha Waltz zu kieksen beginnt. Keine Frage, wer hier von beiden der wichtigere ist. 2010 sitzen Waltz und Dusapin dann wieder gemeinsam vor der Presse – und alles ist anders. In aller Eile hat sich Waltz die Haare hoch gesteckt, ihr Kleid wirkt wie übergeworfen, sie steckt noch mitten in der Arbeit. Entspannt, aber auch präzise wie immer antwortet sie auf die Fragen der Journalisten. Angespannt wirkt nur einer, der Komponist Dusapin. Keine Frage auch dieses Mal, wer von beiden wichtiger ist.

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