Gerd Baltus ist tot.
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HamburgTrotz seines offenen Gesichtes hatte er stes etwas Vergrübeltes. Seine Augen, die in den 80er-Jahren meist durch zwei große Brillengläser verschiedenster Modelle hindurchsahen, verrieten etwas undurchdringlich Geheimnisvolles. In vielen seiner Rollen spielte Gerd Baltus den Einzelgänger und Sonderling, der in zahleichen Serienrollen für den „Tatort“, „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Der Alte“ abwechselnd als Opfer und Täter reüssierte. Mal war er der naiv Rechtschaffene, der den Ganoven wehrlos ausgesetzt schien. Dann aber vermochte er sich auch überraschend zur Wehr setzen, denn hinter dieser unscheinbaren Erscheinung lauerten nicht selten auch Abgründe.

Der 1932 in Bremen geborene Gerd Baltus galt lange als eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens. Er gehörte jener Sorte von Schauspielern an, die man umgehend wiedererkennt, ohne dass der Zuschauer einen Namen dazu parat hat. In der Kunst, Nebenrollen eine eigene Note zu verleihen, hat Gerd Baltus es zu großer Meisterschaft gebracht. Seine Auftritte in Serien wie „Der Kommissar“ und „Derrick“ waren dazu prädestiniert. Sie waren meist im westdeutschen Kleinbürgermilieu angesiedelt, in dem es nicht einfach nur um die Aufklärung eines Verbrechens ging, sondern dieses eher als soziales Gift fortwirkte und die biederen Verhältnisse erschütterte. In vielen seiner Rollen spielte Baltus einen verstört-zurückgenommen Menschen, der wenig redete und zu viel schwitzte.

Gerd Baltus: Größter Film-Erfolg mit „Wälsungenblut“

Nach einer kleinen Filmrolle erhielt Baltus, der zunächst ein Jurastudium aufgenommen und abgebrochen hatte, 1953 ein erstes Theaterengagement bei Gustav Gründgens in Hamburg, von 1959 bis 1966 war er festes Ensemblemitglied an den Münchener Kammerspielen. Von da war es nicht weit in den Studios, in denen „Der Kommissar“ mit Erik Ode und dem jungen Fritz Wepper produziert wurde. Baltus spielte später regelmäßig in Serien wie „Ein Bayer auf Rügen“, „Mit Leib und Seele“ oder auch dem „Großstadtrevier“.

Zu seinen größten Erfolgen als ambitionierter Filmschauspieler gehört seine Rolle des Leutnants von Beckerath in dem Film „Wälsungenblut“ nach der gleichnamigen Erzählung von Thomas Mann. Für den Film von Rolf Thiele wurde Baltus 1965 als bester Nachwuchsschauspieler mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Gerd Baltus war in zweiter Ehe 45 Jahre lang mit der Schauspielerin Brigitte Rotkohl verheiratet, mit seinem Sohn Philipp Baltus stand er auch gemeinsam vor der Kamera. Gerd Baltus ist am Freitag im Alter von 87 Jahren in Hamburg gestorben.