Filmstar Max von Sydow.
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ParisStundenlang könnte ich über den Ingmar-Bergman-Schauspieler Max von Sydow sprechen, über den Ritter Block in „Das Siebente Siegel“, ein Film aus dem Jahre 1957, über Dr. Vogler in „Das Gesicht“ (1958) Martin in „Wie in einem Spiegel“ usw. Er selbst soll immer wieder erklärt haben, dass die Arbeit mit Ingmar Bergman die wichtigste Zeit seines Schauspielerlebens gewesen ist.

 Max von Sydow wurde am 10. April 1929 in Lund geboren. Seine alles andere als bürgerlichen Vornamen waren Carl und Adolf. Am 8. März starb er, seit 2002 Bürger der französischen Republik, in Paris. Als Schüler schon hatte er eine Theatergruppe gegründet. Der schwedische Wikipedia-Eintrag über ihn kommt zwischen 1948 und 1991 auf 79 Theaterrollen u.a. in Malmö, Stockholm, London und New York. Er hat Peer Gynt gespielt und den Faust und den Brick in Tennessee Williams’ „Die Katze auf dem heißen Blechdach“.

Im Londoner Old Vic gab er 1988 den Prospero in Shakespeares „Der Sturm“. Da musste er wohl noch auf alt geschminkt werden. Schade, dass er diese Rolle nicht zwanzig, dreißig Jahre später noch einmal spielte. Zwischen 1949 und 2019 trat Max von Sydow in mehr als 150 Filmen und Fernsehserien auf.

Er spielte Jesus, den Teufel und alles dazwischen. Zum Beispiel James Bonds (Sean Connery) Widersacher Lofeld in „Sag niemals nie“. Seine letzte Rolle war die von Admiral Vladimir Petrenko in einem Spielfilm von Thomas Vinterberg über die Explosion des russischen U-Bootes Kursk im Jahre 2000. Die Jüngeren kennen Max von Sydow aus „Star Wars: Das Erwachen der Macht“, dem siebten Teil der Saga oder aus der Fernseh-Serie „Game of Thrones“, in der er die Rolle des dreiäugigen Raben spielte. Ich habe beides nicht gesehen. Und auch von den 150 anderen Filmen kenne ich höchstens dreißig. Unvergesslich ist mir seine zwiespältige Rolle als Berufskiller und Widerpart von Robert Redford in Sydney Pollacks immer aktueller werdendem Film aus dem Jahre 1975 „Die drei Tage des Kondor“.

Ein Meter dreiundneunzig groß soll Max von Sydow gewesen sein. Er hatte wohl niemals in seinem langen Leben auch nur ein kleines Kilolein zu viel und vor allem: Er hatte von Anfang an ein Gesicht. Er war der geborene Grübler. Das heißt: Er war immer eine Erscheinung ohne jemals schön gewesen zu sein. Also die Idealbesetzung für problematische Naturen, für Figuren also, denen das Publikum misstrauen sollte. Wie oft er gegen seinen Typ besetzt wurde, weiß ich nicht. Aber er hat ihm so viele Facetten hinzugefügt, dass man ins Zweifeln kommen kann, ob es wirklich immer derselbe Typ war.

Das Schöne an der Schauspielerei, soll Max von Sydow einmal gesagt haben, sei, dass man mit jeder Rolle etwas Neues lerne. Wir sind froh, dass wir ihm dabei so lange haben zuschauen können.