Der Schauspieler Tilo Prückner (1940–2020).
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BerlinDie Rolle des kauzigen Zausels bekleidete Tilo Prückner nicht erst, seit sie ihm durch das hinzugewonnene Lebensalter wie angegossen zu passen schien. In Niklaus Schillings Film „Der Willi-Busch-Report“ aus dem Jahr 1979 spielte er die Titelfigur, die zusammen mit ihrer Schwester eine Lokalzeitung im westdeutschen Zonenrandgebiet vererbt bekommt und fortan der Wirklichkeit ein wenig nachhilft, um das wirtschaftliche Überleben des Blattes zu sichern.

Der Schauspieler Tilo Prückner bei der NDR-Talkshow im Januar 2020.

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Der „Willi-Busch-Report“ war eine schrille Komödie, die auf ironische Weise die politische Wirklichkeit der jungen Bundesrepublik reflektierte, und Tilo Prückner lieh dazu dem immer selbstbewusster werdenden neuen deutschen Film sein markantes Gesicht. Im 70er-Jahre-Kino, das ohne die Kooperationen mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in seiner Mischung aus künstlerischem Eigensinn und Marktorientierung kaum möglich gewesen wäre, war Tilo Prückner früh eine prägnante Erscheinung, und sei es auch durch Nebenfiguren wie in Ulf Miehes „John Glückstadt“, Reinhard Hauffs „Die Verrohung des Franz Blum“ und Bernhard Sinkels „Berlinger“.

Häufig spielte Prückner darin unangepasste Zeitgenossen und Außenseiter, die sich durchs Leben mogeln und der Begabung zum Improvisieren und Durchwurschteln erst recht bedürfen, wenn sie in denen von der Gesellschaft bereitgehaltenen Besserungs- oder Verwahranstalten untergebracht werden. Bereits dem jungen Tilo Prückner nahm man den Typus des Gestrauchelten ohne weiteres ab. In „Bomber & Paganini“ von Nikos Perakis aus dem Jahr 1976 verwies er an der Seite von Mario Adorf augenzwinkernd darauf, dass solch einer Existenz nicht selten eher komische als tragische Momente innewohnen.

Begonnen hatte der 1940 als Arztsohn in Augsburg geborene Tilo Prückner seine Laufbahn am Theater. Nach Stationen in München, St. Gallen, Zürich und Oberhausen gehörte er zwischen 1970 und 1973 zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer, wo sich unter der Federführung von Peter Stein sowohl ästhetisch als auch politisch ein ambitioniert-dominantes Ensembletheater entwickelte.

Aus dieser Schule kommend, war Tilo Prückner bald eigenständig genug, um durch die Jahrzehnte hindurch eine ewig-gegenwärtige Erscheinung der deutschen Fernsehlandschaft zu werden. In den schrulligen Brandenburg-Filmen um den Dorfpolizisten Horst Krause spielte er einen schlitzohrigen Anverwandten, und zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Wolfgang Winkler bildete er in der ARD-Vorabendserie das Traumpaar der „Rentnercops“. Die Serie handelt nicht zuletzt von zwei Alten, die nicht aufhören können. Unvorstellbar, dass nun Schluss ein soll. Am 2. Juli ist Tilo Prückner im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben.