"Schief gewickelt" im ZDF: Ach du Kacke!

Die Affäre war vielleicht Zufall, aber die voll gekackte Windel im Briefumschlag, die ist jetzt volle Absicht! Mona (Cosma Shiva Hagen) ist alleinerziehend. Der Vater ihres Babys wohnt zwar in der gleichen Stadt, lebt aber auf einem komplett anderen Planeten. Also stopft Mona eines Morgens eine benutzte Windel in einen wattierten Briefumschlag und schickt so eine diffuse, aber nicht geruchslose Botschaft zu „Global Records“, an Eddy Brennfleck (Ken Duken) mit dem Vermerk: persönlich. „Weißt du, wie viel Kacke mir jeden Tag zugeschickt wird?“, stöhnt der gerade über sein Leben als Popmusikproduzent, als ihm die Post reingereicht wird. Natürlich war das metaphorisch gemeint, aber dann öffnet Eddy den Umschlag und greift buchstäblich in die Scheiße.

Von Beruf jugendlich

Dass irgendwo in der Stadt ein Kind in die Windeln pupst, das Freddys Gene in sich trägt, lässt selbst den coolen Mädchenaufreißer nicht kalt. Vor allem, weil Eddy gerade der erfolgreichen Sängerin Eloise die Ehe versprochen hat. Die anonymen Windelbotschaften, die bald auch zu ihm nach Hause geschickt werden, müssen also aufhören. Das findet auch Eddys Chef Möbius, voller Selbstironie als Berufsjugendlicher gespielt von Uwe Ochsenknecht. Angetrieben von der Furcht, Eloise könnte nicht nur ihre Ehe, sondern auch ihren Plattenvertrag mit Global Records platzen lassen, klappert Eddy alle seine Verflossenen ab, um herauszubekommen, ob sie inzwischen Mamas geworden sind.

Lars Becker, der seine Regiehandschrift vor allem in der ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“ kultiviert, hat eine ausgesprochen launige Romantic Comedy gedreht, in der es um den Lifestyle einer Generation geht, die das Leben nicht als persönlichen Masterplan, sondern als zufällige Playlist verpasster oder genutzter Gelegenheiten betrachtet. Dieses Motiv der absoluten Beliebigkeit zieht sich recht offensichtlich als roter Faden durch die Geschichte und als Running Gag durch den Film: Während Eddy versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, muss im Büro immer wieder der richtige Sound für ein Independent-Duo gefunden werden. Im Auftrag von Global Records haben es den Oldie „With a Girl like You“ (The Troggs 1966) gecovert, aber Eddy weiß heute nicht, was er gestern in Auftrag gab: „Mensch, wo hast du denn den Text dazu geschrieben – in der Entzugsklinik?“ ätzt er. Und gibt dann jeden Tag eine neue Version in Auftrag: Mal klingt es nach Gothic, mal nach Ibiza. Am Ende hat Eddy die Wahnsinnsidee: Ganz Old School, „so mit Vinyl“ soll der Song aufgenommen werden – und klingt nun natürlich verdächtig nach dem Original der Troggs.

„Schief gewickelt“ ist randvoll mit solchen kleinen Entdeckungen, die meist eher zum Schmunzeln als zum lauten Lachen einladen. Seine Hauptfiguren verrät Lars Becker ohnehin nicht an vordergründige Gags, umso mehr drehen dann die Stars der zweiten Reihe auf: Neben Ochsenknecht machen auch Gisela Schneeberger als Eddys Mutter und Alt-68er-Kleptomanin sowie Martin Brambach als Eloises biederer Polizisten-Vater die Aufwartung.

Im Zentrum einer turbulenten Peripherie erzählen die Autoren von „Schief gewickelt“ ihre Liebesgeschichte als zartes Aufeinanderzugehen zweier junger Menschen, die bisher noch ohne Ziel durchs Leben geschlendert sind. Wer mag, kann also an den Zauber der Liebe genregemäß glauben. Wer nicht, macht sich über den Kitsch ein wenig lustig und hat so das vielleicht noch größere Sehvergnügen.

Schief gewickelt, Donnerstag (27.09.12), 20.15 Uhr, ZDF.