Schlagersängerin Kerstin Ott: „Viele haben Angst vor einem Coming-out“

Neuer Typus Schlagerstar: Kerstin Ott, geboren in Berlin, ist eine der erfolgreichsten Sängerinnen des Landes. Helene Fischer ist Fan. Wir haben sie getroffen.

Kerstin Ott in den Räumen ihrer Plattenfirma Universal Music
Kerstin Ott in den Räumen ihrer Plattenfirma Universal MusicBenjamin Pritzkuleit

Der Erfolg von Kerstin Ott ist atemberaubend. Vor wenigen Jahren war sie Malerin, Lackiererin. Jetzt ist sie eine der kommerziell erfolgreichsten Sängerinnen im deutschsprachigen Raum. Dabei sprach vieles dagegen, dass Kerstin Ott ein solcher Star werden würde. Wie hat sie sich, offen lesbisch, im Schlagerbusiness durchgesetzt? Wie fühlt sie sich, wenn sie Seite an Seite mit Helene Fischer singt? Wir wollten es wissen und haben Kerstin Ott in Friedrichshain bei ihrer Plattenfirma getroffen. Sie schenkt uns Cola ein, legt ihre tätowierten Arme auf die Sessellehnen. Man denkt: Diese Frau könnte locker mit der Kettensäge einen Baum fällen. Sie lacht liebevoll und sagt: „Ich freue mich, dass wir sprechen.“

Berliner Zeitung: Frau Ott, Ihr erster Song war direkt ein Riesenhit: „Die immer lacht“. Dabei hatten Sie den gar nicht selbst veröffentlicht.

Kerstin Ott: Ich hatte den auf CDs gebrannt und an 20 Freunde verschenkt. Die wiederum haben dann auch welche gebrannt und die dann weiter verschenkt. Irgendwann hat eine Frau, die ich nicht kenne, den Song bei Youtube hochgeladen. Und dann ging das Ganze durch die Decke.

Wie haben Sie überhaupt davon erfahren, dass der Song auf Youtube stand?

Durch meine beste Freundin. Die hat das auch durch Zufall entdeckt. Und dann ging die ganze Maschinerie los.

Wie haben Sie reagiert?

Erst mal war ich sehr schockiert. Weil ich dachte: Mir hat das Lied jemand geklaut. Und ich hatte ja keine Ahnung, wie das so läuft in der Musikwelt. Das ging dann alles Schlag auf Schlag. Schnell hatte ich hunderttausend Views, was für mich damals schon eine wahnsinnige Zahl war. Dann waren wir bei einer Million Klicks. Der Song ging in die Charts. Irre!

Dann gab es noch diesen clubbigeren Remix von Stereoact. Wie kam es dazu?

Da sind die beiden Jungs drauf gekommen. Die haben’s einfach gemacht, ohne zu fragen – was eigentlich nicht in Ordnung ist. Aber letztlich war es kein Problem, da wir uns schnell getroffen haben. Ich habe die bei Facebook angeschrieben.

Und wie kam es zum Plattenvertrag?

Die Plattenfirmen haben das schnell gemerkt, dass da ein Song viral geht – und haben sich bei uns gemeldet. Ich ging dann zu Kontor für dieses eine Lied.

Stimmt das, dass Sie den Song schnell am Küchentisch geschrieben hatten?

Ja, das war so ein Fünf-Minuten-Ding.

Damals hatten Sie noch als Malerin, Lackiererin gearbeitet. Sie waren keine Profi-Musikerin.

Nee.

Obwohl: Sie hatten mal im Kinderchor von Rolf Zuckowski gesungen.

Ja, aber das waren nur zwei kleine Auftritte, als ich selber klein war. Ich hatte nie beruflich auf Musik gesetzt.

Aber Sie hatten nebenbei immer ein bisschen Musik gemacht?

Ich habe ein bisschen auf meiner Gitarre rumgeklimpert, selber für mich Songs geschrieben. Aber ich hatte keine Ambitionen, das professionell aufzunehmen. Ich hatte nicht daran gedacht, das jemandem zu präsentieren.

Sie sind damals also gar nicht aufgetreten?

Nee. Nicht mal im Freundeskreis.

„Ott bedeutet auch Haschisch“

Und sind welche von diesen frühen Songs irgendwann released worden?

Ja, „Kleine Rakete“ hatte ich damals schon geschrieben, „Der Blick in deinen Augen“ auch.

Nun erscheint Ihr Best-of-Album „Best Ott“. Witziger Titel.

Ja, wir haben auch ein paar lustige TikToks dazu gemacht. Ich habe ja erst vor Kurzem geschnallt, dass Ott auch Gras bedeutet, also Haschisch. Damit haben wir ein bisschen gespielt.

Auf „Best Ott“ gibt es auch vier neue Songs. Einer davon, „Mädchen“, spielt auf den Die-Ärzte-Song „Junge“ an.

Ich finde, dass Die Ärzte allgemein sehr viele gute Texte geschrieben haben. Und das auch immer noch machen. Auch dieses Sozialkritische bei „Junge“ finde ich sehr gut. Musikalisch war mir der Titel immer ein bisschen zu heftig. Aber ich fand den Text halt megastark! Mein Titel „Mädchen“ ist auf jeden Fall eine Hommage an Die Ärzte.

Welche Bedeutung hat „Junge“ für Sie?

Die Sichtweise der Eltern, die ihren Sohn betrachten. Und dass dieser Junge es seinen Eltern nicht recht machen kann – obwohl er sich nur ausprobieren will. Ich finde, „Mädchen“ behandelt ein sehr aktuelles Thema.

Ein klassisches Lebensgefühl während der Pubertät, oder? Inwiefern besonders aktuell?

Insofern, als es auch immer wieder bei mir ein Thema ist: dass sich Leute an meinen kurzen Haaren stören; dass ich zu männlich rüberkäme. Ich kenne diese Vorwürfe. Mittlerweile bin ich 40 Jahre alt. Aber ich weiß auch noch, wie schlimm das für einen ist, wenn man jünger ist – und ständig verurteilt wird. Für das, was man tut und wer man ist. Das ist echt ein Kampf.

Hatten Sie denn immer so kurze Haare?

Ja, schon immer. Wobei: Als Kind wurde ich eine Zeit lang gezwungen, längere Haare zu tragen. Ein Mädchen sollte aussehen „wie ein Mädchen“. Aber schnell hab ich meine eigenen Regeln gemacht, was ein Mädchen darf.

Dann haben Sie auch mit den Jungs Fußball gespielt?

Auf jeden Fall! „Vater, Mutter, Kind“-Spielen war nicht so meins. Ich bin lieber auf Bäume geklettert. Und andere Dinge, von denen man oft sagt, dass Jungs die gerne machen. Wenn man das überhaupt so sagen kann!

„Gut, dass wir darüber sprechen!“

Das wird in den letzten Jahren gesellschaftlich stärker reflektiert: ob unsere Jungs- und Mädchen-Klischees nicht überholt sind.

Gut, dass wir darüber sprechen! Wir stecken da in einem Wandel, was ich wichtig und gut finde. Die Menschen sind halt nicht so, dass sie abhängig vom Geschlecht die gleichen Interessen verfolgen. Und das sollte auch nicht so sein. Niemand sollte in eine Schublade gestopft werden, in der er sich nicht wohlfühlt.

Interessant, dass der Song trotzdem aus der Perspektive der verständnislosen Eltern erzählt.

Ja, die finde ich auch spannend. Und ich wollte, dass der Vergleich zu den Ärzten leicht zu verstehen ist. Und ich kenne auch beide Seiten: Ich kenne die jugendliche und die Eltern-Seite.

Ertappen Sie sich inzwischen als Mutter dabei, dass Sie Ihren Kindern Dinge sagen, die Sie selbst früher nicht hören wollten als Kind?

Ja, andauernd! „Räum dein Zimmer auf! Wie sieht’s hier aus? Es stinkt!“ All diese typischen Sachen. Kinder und Jugendliche haben diesen Blick dafür noch nicht: Dass der Teller in die Spülmaschine sollte. Die haben kein Problem, daneben zu schlafen! Früher fand ich das natürlich auch uncool, wenn ich dafür getadelt wurde.

Schlagersängerin Kerstin Ott nach dem Interview am Spree-Ufer
Schlagersängerin Kerstin Ott nach dem Interview am Spree-UferBenjamin Pritzkuleit

Aber Sätze wie „so was macht ein Junge“ würde man aus Ihrem Munde nicht hören, oder?

Sicher nicht. Karolina und ich haben eine Erziehungsmethode, die sehr frei für die Kinder ist – was ich auch megawichtig finde. Denn: Wir haben alle unsere unterschiedlichen Charaktere. Und wenn eines unserer Kinder sich heute mehr nach Grufti-Klamotten fühlt, dann: ja, bitte! Mach, was du machen musst!

Wie alt sind die beiden eigentlich?

13 und 18.

Auf „Best Ott“ gibt’s auch den Song „Regenbogenfarben“, als Duett mit Helene Fischer. Auch ein Appell für mehr Akzeptanz.

Ja, das ist auf jeden Fall ein Lied für mehr Respekt. Im Miteinander. Und auch für die Unterschiedlichkeit der Menschen. Egal, wer wen liebt! Leider ist das auch noch ein sehr aktuelles Thema. Man kann gar nicht oft genug darüber sprechen oder singen. Es gibt so viele Jugendliche, die Angst vor einem Coming-out haben. Eigentlich schlimm, dass man sich überhaupt noch outen muss. Dass das von einem verlangt wird. Das ist in meinem Kopf schon so überholt. Eine schreckliche Angelegenheit! Das sollte einfach Menschen selbst überlassen bleiben, wie sie sich sexuell ausleben möchten.

„Ich habe ein paar Brücken gebaut, und da bin ich stolz drauf“

Sie sagen, die Idee von Coming-out sei überholt. Andererseits hilft das sicher vielen Menschen, dass Sie offen lesbisch leben. Das macht Menschen Mut.

Das sehe ich auch an ganz vielen Zuschriften. Ich bekomme noch viel handgeschriebene Fanpost. Richtig oldschool, find ich toll! Und ich habe schon oft gelesen, dass es Eltern durch meine Lieder und durch mich als Person leichterfällt, ihre queeren Kinder zu verstehen. Ich habe ein paar Brücken gebaut, und da bin ich stolz drauf.

Mittelfristig wäre eine Welt schön, in der es keine Coming-outs mehr braucht. Aber noch sind sie nötig. Und haben tolle Effekte.

Ja, das sieht man auch im Fußball! Leider gibt es in der Bundesliga noch keinen einzigen aktiven Profifußballer, der sich traut, offen schwul zu sein. Sehr, sehr traurig. Philipp Lahm stellt sich hin und sagt, das würde er auch heute keinem raten. Ich finde, er sollte an seiner Denkweise arbeiten. Das sind genau die Rückschritte, die wir gerade nicht brauchen.

Wie erleben Sie die Stimmung im Musikbusiness, was Queers angeht?

Sehr offen! Gerade in der Schlagerbranche. Da existieren viele Barrieren, die es im Leben draußen gibt, nicht mehr.

„Wir sind keine Monster“

Hat da das Coming-out von Patrick Lindner geholfen? Der war ja einer der ersten deutschen Promis überhaupt, die sich geoutet haben.

Das glaube ich schon. Jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit steht und irgendwann diesen Schritt gewagt hat. Auch Hella von Sinnen fällt mir gerade ein. Zu einer Zeit, wo Homosexualität fast noch als Krankheit gesehen wurde. Dadurch haben andere verstanden: „Das sind doch keine Monster.“

Rex Gildo war das noch nicht möglich. Dazu gibt es nun ja auch den neuen Film von Rosa von Praunheim. Der hatte sogar eine Alibi-Freundin.

Ja, leider! Was dabei rauskommt, sieht man dann ja auch immer wieder. Wenn du dein ganzes Leben damit verbringst, dir Alibi-Lügen aufzubauen, kann das auch sehr krank machen. Manche bringt das um.

Sie sagen, das Musikbusiness selbst ist offen. Aber wie sieht es mit Reaktionen online aus?

Natürlich werde ich da auch angefeindet. Ich glaube, es gibt aber niemanden, der in der Öffentlichkeit steht und dem das nicht passiert. Manchmal frage ich mich: Leute, habt ihr nichts Besseres zu tun, als eure Zeit zu verschwenden? Ist es euch wirklich so wichtig, andere zu beschimpfen? Aber damit will ich mich gar nicht zu viel beschäftigen. Ich kenne die Personen am anderen Ende ja nicht, weiß nicht, wie die ticken. Und ich bin auch nicht dafür da, die zu bekehren. Leider ist es so, dass teilweise wirklich sehr unter der Gürtellinie geschrieben wird. Hass ist für die anscheinend das einzige Mittel, um mit sich selbst klarzukommen.

Sie haben vorhin Ihre kurzen Haare angesprochen. Wie ist das bei Schlagershows im Fernsehen? Werden Sie da zu bestimmten Outfits gedrängt?

Ich kann da die TV-Macher verstehen. Ich bin ein sehr einfach gekleideter Mensch. Ich mache auf der Bühne auch keine Wahnsinnsshow. Ich komme nicht von irgendwo hergeschwebt. Ich mache keine Wahnsinns-Tanz-Moves. Aber irgendetwas muss im Fernsehen ja visuell passieren. Klar machen sich da die Leute hinter den Kulissen Gedanken. Das kann ich nachvollziehen. Ich würde an deren Stelle auch versuchen, das Bestmögliche rauszuholen. Aber ich konnte dann auch immer sagen: Nee, Leute! Ne Glitzerjacke ist halt einfach nicht meins! Entweder passt das, was ich euch bieten kann, oder wir kommen nicht zusammen! Dann kann ich nicht in die Show kommen.

„Helene Fischer und ich machen unsern Job jede auf ihre Weise gut“

Wie war das in der Show mit Helene Fischer? Helene Fischer ist ja eine Meisterin der glamourösen Auftritte.

Es war genauso wie immer: Sie hat angezogen, was sie anziehen wollte. Und ich auch. Kontraste können auch schön sein. Sie hat eine ganz andere Funktion auf der Bühne als ich. Und da waren wir uns auch beide klar drüber. Die Überlegung war nicht: „Brauche ich mehr Tamtam, um neben ihr nicht unterzugehen?“ Da hatte ich keine Angst vor. Ich finde, dass wir so unterschiedlich sind, dass jeder auf seine Art und Weise seinen Job gut macht.

„Regenbogenfarben“ ist für Helene-Fischer-Verhältnisse schon ein sehr politischer Song. Mussten Sie da Überzeugungsarbeit leisten?

Nee, ich wurde von ihr eingeladen in die Show. Der Wunsch war, dass ich diesen Song mitbringe. Die Tatsache, dass sie den mit mir zusammen als Single herausgebracht hat, spricht für sich. Das hat sie bisher noch mit keinem deutschsprachigen Künstler gemacht. Man muss sich auch nicht immer politisch äußern. Das handhabt sie ja auch ganz anders als ich. Aber ist ja toll, dass sie hier ein Statement gesetzt hat!

Haben Sie selbst durch die Helene-Fischer-Show noch mal ein anderes Level an Aufmerksamkeit bekommen? Das ist ja doch eine der am meisten geguckten Sendungen im deutschen Fernsehen.

Ja, auf jeden Fall. Und auch, dass „Regenbogenfarben“ eine gemeinsame Single geworden ist, hat schon für sehr viel mehr Aufmerksamkeit gesorgt – und hat dem Lied auch zu mehr Bekanntheit verholfen. War einfach eine runde Geschichte! Und ich glaube, das ist auch angekommen.

Kerstin Ott auf der Bühne in Gelsenkirchen
Kerstin Ott auf der Bühne in GelsenkirchenIMAGO/Eibner

Im Lied „Der Morgen nach Marie“ singen Sie aus Sicht einer Barkeeperin über die Herzensbrecherin Marie – mit der offenbar nicht nur die Kerle, sondern auch die Barkeeperin mal was hatte.

Ich hab ja früher auch in Bars und Diskotheken gearbeitet und aufgelegt. Und ich schreibe immer gern Geschichten, die ich selber kenne oder über die ich mit Bekannten gesprochen habe. Die Situation mit Marie war mir selber nicht unbekannt. Und ich fand den Twist gut, den Witz. Ich glaube, der Song ist uns ganz gut gelungen.

Gibt’s auch Themen, die sich nicht für Ihre Schlager eignen?

Ja, wenn man zu viele Wörter brauchen würde, um das Thema zu erklären. Ich will es so schön beschreiben, dass es auch Sinn ergibt und hängen bleibt nachher.

„Ich wollte meine Geschichte einmal selbst erzählen“

Ihre Autobiografie kam schon sehr früh. Nun auch das Best-of. In beiden Fällen müssen Sie ja das Gefühl gehabt haben, Sie haben genug zu erzählen.

Ja, bei der Biografie wusste ich, dass mein Leben sehr bewegt ist. Mein Plan war aber nicht: „Guckt mal, was ich alles schon gemacht habe!“ Sondern ich wollte mich dadurch auch vor der Presse schützen. Vor Leuten, die in meiner Vergangenheit rumwühlen. Ich wollte meine Geschichte einmal selbst erzählen. Das hab ich gut gemacht, finde ich. War auch ein guter Zeitpunkt damals. Damit hat es sich sehr entspannt weiterarbeiten lassen.

Man sagt oft, dass Schlager die Welt durch eine rosarote Brille sieht und Unheil ausblendet.

Und auch das hat seine Berechtigung: mal für zwei Stunden nicht mit Problemen konfrontiert zu werden. Schlager darf einfach und leicht verdaulich sein. Wir werden sowieso den ganzen Tag lang zugekleistert mit schwierigen Themen. Es ist auch schön, wenn die Menschen mal einfache Sachen hören. Und nicht immer nur von den schlimmsten Abgründen. Leute wollen auch mal abschalten. Das ist auch der Job als Entertainer, dabei möglichst gut zu helfen. Ich habe mich trotzdem für einen anderen Weg entschieden als viele im Schlager. Aber für mich wäre das zu unspektakulär, über Sachen zu singen, die mich selber nicht berühren.

Wie sind Sie eigentlich hineingewachsen in diese Rolle als Entertainerin? Sie hatten ja als Lackiererin mit was ganz anderem zu schaffen davor.

Ja, das war nicht so einfach für mich. Ich habe jahrelang dafür gebraucht. Bis ich mich zurechtgefunden habe. Und auch verstanden habe, was ich kann; woher ich das Recht habe, auf einer Bühne zu stehen; was die Leute daran fasziniert, einen Auftritt von mir anzugucken. Mittlerweile weiß ich, was ich kann und wie das funktioniert. Und wie ich mich selbst dabei wohlfühlen kann. Das hat lange gedauert und der Weg war ganz schön hart, zwischendurch.

„Gezweifelt hab ich oft“

Was unternehmen Sie, um sich beim Auftritt wohlzufühlen?

Meine Regeln: Sei gut vorbereitet! Gib dein Bestes! Und wenn ich dann Menschen sehe mit Freudentränen im Gesicht oder Menschen, die total ausflippen, weil sie eine solche Freude an dem haben, was ich da gerade mache – dann ist das auch sehr ansteckend für mich. Da geht die Energie hin und her. Und das geht nur, wenn ich mich wohlfühle. Das war in den ersten anderthalb Jahren nicht der Fall. Da habe ich nur zugesehen, dass ich in irgendein freundliches Gesicht gucke. Es hat mich total rausgebracht, wenn jemand gegähnt hat – oder mich angeguckt hat, als würde ich vom Mond kommen. Heute gucke ich die Person dann so an, bis sie mich anlächelt. Das ist heute mein Spiel. Aber damals hätte ich das nicht geschafft.

Das klingt anstrengend, zumal so lange. Haben Sie damals darüber gegrübelt, aufzuhören?

Gezweifelt hab ich oft. Ob das wirklich der Weg ist, den ich gehen will. Aber nicht, weil es unerfolgreich gewesen wäre. Es wurde ja mit jedem Monat erfolgreicher.

Wie haben Sie die Zweifel überwunden?

Die überwindet man immer wieder. Oder ich auf jeden Fall. Es gibt Momente oder Wochen, da läuft alles rund. Und dann gibt’s wieder Situationen, wo ich überlege, ob ich etwas anders, besser machen kann.

Was gibt Ihnen dann Kraft?

Der Ausgleich zu Hause auf jeden Fall. Zeit zu haben, wo man abschaltet, ist ganz wichtig. Wir hatten auch schon das andere Extrem: dass wir viel zu viel gearbeitet haben. Meine Frau passt auf mich auf. Dass wir eine gute Balance haben.

Malen und lackieren Sie auch noch zum Ausgleich?

Ja, das mach ich. Nicht mehr bei anderen Leuten, aber bei uns zu Hause.