Mickie Krause, 50, kennt keine Gnade, wenn es um die Unterhaltung seines Publikums geht. Lange trat der Sänger in der Ballermann-Disco Riu Palace auf Mallorca auf und gehörte neben Jürgen Drews, 75, zu den erfolgreichsten Akteuren der Szene. Über seine Mission ließ Krause niemals Zweifel aufkommen. Als selbstbewusster Vertreter des Mitgröhlschlagers wies er den Vorwurf, seine Texte seien sexistisch, einmal so zurück: „Sie sind vielmehr doppeldeutig und immer ganz knapp oberhalb der Gürtellinie … Intellektuelle, die tiefgreifende Texte hören wollen, sollen zu einem Konzert von Herbert Grönemeyer gehen.“

Die dritte Schule in Namibia ist zur Hälfte fertig gebaut

Seitdem die Corona-Pandemie wütet, muss sich Krause allerdings nach neuen Stätten des Frohsinns umsehen. Denn nicht nur auf Mallorca ist alles Lockdown-dicht, sondern es herrscht auch an den meisten Après-Ski-Party-Stätten eher tote Hose. Krause hat dennoch einen Weg gefunden, und der ist für seine Verhältnisse einigermaßen erstaunlich: Er trat jetzt mit dem Kollegen Peter Wackel, 44, in der namibischen Wüste auf – für den guten Zweck. Wegen der in Afrika geltenden strengen Corona-Regeln durften nur jeweils 50 Fans bei den Benefizkonzerten auf einer Safari-Lodge dabei sein; es gab also einige Wiederholungen.

Benefizkonzerte, wer hätte das gedacht?! Der Erlös soll in den Bau einer Schule für das Volk der Himba fließen. Denn Krause war als Botschafter der Initiative Fly & Help der Reiner-Meutsch-Stiftung aufgetreten. Die 2009 gegründete Stiftung verfolgt den Zweck, die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Nach eigenen Angaben hat Fly & Help bisher 440 Schulen gebaut. Ziel sei es, in jedem Jahr mindestens 40 neue Schulgebäude zu errichten. Die Stiftung finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen bewertet die Stiftung als „förderungswürdig“.

Am Sonntag sollte eine neue Schule eröffnet werden. Auch deswegen war Krause vor Ort. Er unterstützt die Fly-&-Help-Initiative seit 2018, als er Stiftungsgründer Reiner Meutsch in der Dominikanischen Republik über den Weg lief. Seitdem sind zwei nach ihm benannte Schulen in Afrika von Krause finanziert worden: eine in Ruanda und eine in Kenia. „Silvester wollte ich die zweite Mickie-Krause-Schule in Kenia mit der Familie eröffnen“, sagt Krause der Deutschen Presse-Agentur – doch das wurde Corona-bedingt nun auf Ende dieses Jahres verschoben.

Krause nutzt die Corona-Zeit also richtig. Und tut nebenbei auch noch etwas für sich selbst: „Ich war glücklich, wieder auf der Bühne zu stehen.“ Corona-bedingt hatte er seit vergangenem März nur einen einzigen Auftritt – in einem Autokino. „Da gab es aber keine Nähe zum Publikum wie hier.“ Wie auch immer, Krause darf sich nicht nur über neue Fans in Namibia freuen, sondern auch darüber, dass eine dritte Schule in Namibia jetzt schon zur Hälfte finanziert sei und die andere Hälfte wohl durch die Eintrittsgelder seiner Konzerte reinkommen.