Im Sandkasten freundeten sich Jess und Milly miteinander an; in der Schulzeit wurden sie unzertrennlich; in Teenager-Jahren feierten sie gemeinsam, bis der Arzt kam; sie teilten Freud und Leid. Doch auch die wildesten Hühner werden eines Tages erwachsen. Während Milly den Rockmusiker Kit heiratet, der sich zur allgemeinen Überraschung als verlässlicher Partner erweist, Karriere macht und Kinder kriegt, kuschelt Jess auf einem Hausboot mit ihrem gemütlichen Lebensgefährten Jago, arbeitet für ein gemeinnütziges Projekt und sehnt sich nach Mutterschaft. Beste Freundinnen aber sind Jess und Milly immer noch. Und immer noch wird gekichert, gekreischt und gegackert, was das Zeug hält, ob beim Shoppen oder beim Pärchenabend, denn Spaß muss sein. Darauf einen Prosecco!

Es ist unschwer zu erkennen: In Catherine Hardwickes Film „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ geht es um eine Frauenfreundschaft, wie sie im Bilderbuch steht beziehungsweise in den computergenerierten Drehbüchern des Mainstreamkinos. Da jedoch unechte gute Laune bestraft gehört und wir es zudem mit einem „Frauenfilm“ der Marke „Tragikomödie“ zu tun haben, folgt auch schon der Schicksalsschlag: Die Freundschaftsharmonie wird auf eine harte Probe gestellt, als Milly die Diagnose Brustkrebs erhält.

Alle London-Klischees abgehakt

Selbstverständlich verspricht Jess, Milly beizustehen und vernachlässigt darüber bald ihr eigenes (Liebes)Leben. Milly wiederum stellt fest, dass beim Sterben frau selbst immer noch die Erste und Einzige ist. Und beide müssen damit fertig werden, dass ein drohender Tod mit naiven Vorstellungen von Hilfe und Unterstützung in Krisenzeiten übel umzuspringen vermag.

Zu allem Überfluss geht auch noch Jess’ sehnlichster Wunsch in Erfüllung, und sie wird schwanger – ist aber nicht in der Lage, ihre unglückliche Freundin mit ihrem Glück zu konfrontieren. Adieu, beste Freundschaft! Zumindest vorläufig, denn so kann das ja nicht ausgehen – schließlich sind wir hier im Kino.

Die Handlung von Hardwickes Film hakt brav jedes Klischee vom hippen Leben in London über traurigen Haarverlust und lustigen Perückenkauf, Egoismus, Zerwürfnis und Versöhnung bis hin zu Geburt, Siechtum und Tod ab. Zwar macht sich minutenweise immer mal so etwas wie nüchterner Realismus und emotionale Genauigkeit bemerkbar, doch nur, um im nächsten Augenblick an die denkbar banalste szenische Auflösung ausgeliefert und von dramaturgischen Standards annulliert zu werden.

Geschichte lässt Zuschauer kalt

Gut, denkt frau, dann müssen eben die Schauspielerinnen den Film mit dem Originaltitel „Miss You Already“ – der vermittelt tatsächlich Bedeutung – vor seiner risikoscheuen Oberflächlichkeit retten. Drew Barrymore und Toni Colette sind schließlich keine Behelfsmiminnen; jede hat bereits im Alleingang schwache Drehbücher und eitle Gecken ins Abseits gespielt.

Da sich zwischen den beiden sonst so verlässlichen Darstellerinnen aber keinerlei Chemie bemerkbar macht, bleibt die innige Freundschaft ihrer Figuren bloße Drehbuch-Behauptung, bleiben die Charaktere blass, lässt einen ihre Geschichte letztlich kalt. In Anbetracht des Themas ist die Enttäuschung darüber umso größer.

Im Himmel trägt man hohe Schuhe (Miss You Already) GB 2015. Regie: Catherine Hardwicke, Drehbuch: Morwenna Banks, Kamera: Elliot Davis, Darsteller: Drew Barrymore, Toni Colette, Paddy Considine, Dominic Cooper, 112 Minuten, Farbe.