Bevor Harald Schmidt im vergangenen September mit seiner Show zurück zu Sat.1 wechselte, erklärte er in einem Interview, sich damit auf den Ruhestand vorbereiten zu wollen: „Wenn das vorbei ist, dann ist es aus mit dem Fernsehen, denn alles andere hatte ich schon.“ Dass es mit dem Renteneintritt so schnell gehen würde, hatte der 54-Jährige wohl nicht gedacht.

In knapp fünf Wochen ist es nun soweit: Schmidt moderiert zum letzten Mal „Die Harald Schmidt Show“ bei Sat.1. Am Mittwoch erklärte der Sender, die Late Night werde am 3. Mai „in die Sommerpause“ gehen, man habe sich aber „nach intensiven Gesprächen darauf verständigt, dass dieser Tag gleichzeitig das Finale der Sendung bedeutet“. Das ist nichts anderes als eine verdrehte Formulierung für einen hochkantigen Rauswurf.

Entsprechend eisig klingen die Beteiligten. Schmidt selbst kommentierte die Einstellung per Pressemeldung mit einem läppischen „Schade“. Und die Stellungnahme von Produzent Fred Kogel lässt erahnen, dass Moderator und Sender nicht im Guten auseinander gehen: „Die Sendungen waren gut, die Quoten waren es insgesamt noch nicht. Eine tägliche Late Night Show braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.“

Mangelnde Qualität

Dass die Quoten von Anfang an nicht gestimmt haben, ist kein Geheimnis. Schmidts Late Night lag regelmäßig deutlich unter den Marktanteilen, die Sat.1 sonst trotz Schwächephase erreicht – dem Branchendienst Meedia zufolge kamen die über 60 gezeigten Shows nicht über 7,1 Prozent bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren hinaus. Doch auch bei der Qualität haperte es, anders als Kogel behauptet, immer wieder gewaltig. Von seiner Höchstform in den 90er Jahren war Schmidt bereits während seines ARD-Intermezzos weit entfernt. Nach seiner Rückkehr zu Sat.1 hat sich daran wenig geändert.

Erst im Januar bekam „Die Harald Schmidt Show“ einen dritten Sendetag pro Woche geschenkt. Ein Zufall ist der Termin der Einstellung nun trotzdem nicht. Vor vier Wochen hat ProSiebenSat.1 nämlich seinen langjährigen Fernsehvorstand Andreas Bartl vor die Tür gesetzt, der Schmidt wieder zu Sat.1 lotste. Nun rührt Konzernvorstand Thomas Ebeling persönlich im Programm herum – und hat sich offensichtlich vorgenommen, erstmal Ballast abzuwerfen. Die vielen Abgänge der vergangenen Monate – Pocher, Kerner, Schmidt – mögen dem Sender kurzfristig helfen, Quotendellen zu vermeiden. Sie haben Sat.1 aber auf lange Sicht ein für alle Mal den Ruf ruiniert. Wer will schon zu einem Sender, der für nichts garantieren kann – außer für das Scheitern?

In seiner Sendung am Dienstag, das Aus war wohl schon beschlossen, nutzte Schmidt die Gelegenheit, seinem Noch-Arbeitgeber kräftig eine zu wischen – und beleidigte das Publikum gleich mit. Die Redaktion habe für „unseren geliebten Champions-League-Erfolgssender“ ein Maskottchen entworfen, das „Sateinselmännchen“. Dazu wurde ein klopsiger Zeichentrickzuschauer eingeblendet, der sich im Fernsehsessel mit Bier vollkippt und einen bunten Sat.1-Ball über den eigenen Bauch erbricht. Danach erschien das erfundene Sendermotto: „Sat.1 – wenn die anderen feiern.“ Das mag nicht die feinste Art sein, sich zu verabschieden. Deutlich ist sie allemal.