Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hände des Feindes fallen“ – so lautete Hitlers Tagesbefehl vom 23. August 1944. Die Allierten standen kurz vor dem Einmarsch der Stadt. Zur Vollstreckung des Befehls hatten deutsche Truppen Sprengsätze an allen Seine-Brücken, am Louvre, vermutlich auch an der Kathedrale Notre-Dame angebracht. Der genaue Umfang der Vorbereitung ist nicht bekannt – der Phantasie setzte die vergangene Praxis der NS-Kriegsführung allerdings wenig Grenzen. Die Sprengtrupps warteten nur noch auf den Ausführungsbefehl von Dietrich von Choltitz, den Hitler erst drei Wochen zuvor zum Stadtkommandanten von Paris ernannt hatte. Als Terminator.

Dietrich von Choltitz war das, was man in der Sprache der Zeit beschönigend einen „harten Hund“ nannte. Er galt als ein Mann, der noch nie über einen Befehl diskutiert, sondern immer nur vollstreckt hatte. Die Festung Sewastopol auf der Krim erobert zu haben, schrieb man ihm zu; von 4800 Soldaten seines Regiments überlebten 347 den Kampf. Und laut Abhörprotokollen aus einem englischen Kriegsgefangenenlager soll er bekannt haben: „Den schwersten Auftrag, den ich je durchgeführt habe – allerdings dann mit größter Konsequenz durchgeführt habe – , ist die Liquidation der Juden.“

Warum er den Befehl zur Zerstörung von Paris nicht ausführte, darüber gehen die Meinungen der Forschung auseinander. Die Details der letzten Stunden in der deutschen Kommandantur liegen im Dunkeln. Ob er aus Überzeugung widerstand oder nur zu lange zauderte, ob er Kontakte zu den Widerständlern, gar zu de Gaulle unterhielt, wie das Buch „Paris muss brennen“ von Dominique Lapierre und Larry Collins aus dem Jahr 1964 behauptet – all das bleibt Spekulation. Klar ist nur, dass Choltitz die Stadt am 25. August an den Kommandanten der regulären französischen Streitkräfte übergab, ohne dass die Sprengsätze gezündet worden waren. Andernfalls wäre Paris, wie wir es heute kennen, nicht mehr vorhanden.

Auf mehr als Spekulation, auf weitgehender Fiktion, beruht auch der Film „Diplomatie“ von Volker Schlöndorff. Der biographisch tief mit Frankreich verbundene 75-jährige Regisseur inszeniert – nach einem Theaterstück von Cyril Gély– die Rettung von Paris als Kammerspiel. Die Kammer ist das Büro des Generals im feinen Hotel Meurice in der Rue de Rivoli, nahe dem Louvre, das als Sitz des Stadtkommandanten requiriert ist. Hier sieht der deutsche General gefasst seinem persönlichen Untergang entgegen. Da steht, durch einen Geheimgang und eine versteckte Tür hineingelangt, plötzlich Raoul Nordling, der schwedische Generalkonsul, in Choltitz’ Zimmer.