Schlosspark Theater: Psychomassaker zum Mitlachen

Berlin - Zum Schluss sitzen Marc und Aishe allein auf der Bühne, wie die letzten Überlebenden eines von ihnen selbst angezettelten Massakers. Auf dem Boden Flaschen, Zigarrenstummel und ein traurig vor sich hindümpelndes Planschbecken. Reste eines Abends, der als Weinprobe für Marcs anstehende Hochzeit mit Olivia gedacht war und in einer wohlorchestrierten Psychoschlacht endete.

Nun thronen die beiden abgeklärtesten Protagonisten nach zwei Stunden Selbstentblößung, Verrat und Vorwürfen grinsend auf den Scherben ihrer Lebensentwürfe. „Weiß du, was ich an dir mag, Aishe?“, sagt Marc, „dass du die wichtigste Sache kapiert hast: Weitermachen! Immer weitermachen!“

Weitermachen ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist das Credo aller Beteiligten in „Konkursmasse“. Olivia (Loretta Stern) will Marc (Hubertus Grimm) heiraten, weil ihr Vater bankrott ist und der Banker eine gute Partie zu sein scheint. Dafür hat sie sich von Gregor (Johann Fohl) getrennt, insolventer Autoverkäufer und Marcs bester Freund, der jetzt auch noch den Trauzeugen geben muss.

Hinzu kommt Aishe (Pinar Erincin), Olivias beste Freundin, die schon was mit Marc hatte, sein Geld auch gut gebrauchen könnte und zudem weiß, dass Olivia schwanger ist, das Kind aber nicht von Marc stammen kann. Und natürlich weiß keiner, dass Banker Marc sich übel verzockt hat und ihm die Gläubiger im Nacken sitzen.

Persönliche Bankrotterklärungen

Seinen Titel „Konkursmasse“ trägt die Komödie des Berliner Schlossparktheaters zurecht. Im Laufe der Aufführung hat jeder einzelne Charakter seine persönliche Bankrotterklärung abgegeben, in finanzieller wie in menschlicher Hinsicht. Dabei hat der Zuschauer die vier Akteure so gut kennengelernt, dass er ihnen ihre Bruchlandung nicht nur gönnt, sondern am liebsten auf die Bühne steigen würde, um ihnen persönlich das große L für Loser auf die Stirn zu drücken.

„Konkursmasse“ ist keine subtile Komödie. Und doch gelingt es Autor Peter Buchholz und Regisseur Roland Lang, die Zuschauer in der ersten Hälfte auf die falsche Fährte zu locken. Das reduzierte Bühnenbild, der variierend ausgeleuchtete Hintergrund, ein Wolkenpanorama wie von einer 80er Jahre-Fototapete, und vor allem die ans Publikum gerichteten Monologe, verleihen dem Stück zeitweise die Anmutung eines ernsthaften Dramas. Ein Eindruck den die zweite Hälfte mit fröhlicher Zerstörungslust zerschlägt.

Die Charaktere sind moderne Klischees: Berechnende Karrierefrau, gescheiterter Gutmensch, aalglatter Banker, intrigante Freundin. Das erfüllt seinen Zweck, zumal man der Besetzung die Freude am Spiel anmerkt. Allen voran Loretta Stern und Pinar Erincin, die sich einen sich langsam von kleinen Spitzen zu offener Feindschaft steigernden Zickenkrieg liefern.

Man könnte Detailkritik üben. Ist es wirklich nötig, dass die türkischstämmige Freundin mal wieder Aishe heißt und ihr Vater – was sonst – eine Dönerbudenkette betreibt? Müssten die Monologe im ersten Teil nicht etwas straffer und weniger getragen sein? Dennoch: Am Ende blickt der Zuschauer amüsiert auf die Konkursmasse der Protagonisten. Allzu groß ist sie nicht.

Konkursmasse – oder wer betrügt wen am besten, Montag, 20. Mai, bis Freitag, 24. Mai, jeweils ab 20 Uhr. Schlosspark Theater, Schlossstr. 48.

Kartentelefon: 030.-78 95 66 71 00