Berlin - Welche Größe hat er denn, fragt mich die Schuhverkäuferin. Sie spricht von meiner kleinen Tochter. Sie ist zehn, hat kurze Haare, trägt nur Hosen, und hat nie eine Pinkphase durchgemacht. Dabei wäre genau jetzt die Zeit dafür. So eine Situation wie diese erleben  wir ständig. Manchmal sage ich dann, dass es sich um ein Mädchen handelt, manchmal lasse ich es. Ich frage mich, was dieses permanente  Signal, sie entspreche nicht ihrer Rolle, im Kopf dieses kleinen Wesens anrichtet.

Noch wehrt sie sich. Zu der Friseurin, die ihr riet, sie solle doch die Haare wachsen lassen, will sie jedenfalls auf keinen Fall mehr. Wir leben  im 21. Jahrhundert, in einer Stadt, die einst Hochburg der Feministinnen war und wo vor zwei Jahren Unisex-Toiletten eingeführt wurden. Und doch genügen ein paar Äußerlichkeiten für die Einordnung in Junge oder Mädchen, funktionieren Geschlechterklischees  wie eh und je. Und die Welt ist voll davon.

Für Mädchen gibt es immer nur pink und rosa

Wie voll und somit zweigeteilt in eine für coole Abenteurer und eine für süße Prinzessinnen − das prangert die Aktion „Der Goldene Zaunpfahl“ in Hinblick auf die Warenwelt an. Am Freitag im HAU (18 Uhr) wird ein  Preis für sinnloses Gendermarketing verliehen. Die Nominierungen haben  hohes Erregungspotenzial. Es ist etwa ein pinker und ein blauer Globus darunter, das Überraschungsei nur für Mädchen oder „Geschichten zum Lesenlernen“ für Jungs und für Mädchen aus dem Schulbuchverlag Klett. Auch hier kommen die gendercodierten Signalfarben zum Einsatz, sind  auf dem blauen Jungsbuch ein Polizist, zwei Seeräuber und ein Raumschiff zu sehen, auf dem Mädchenbuch eine Prinzessin im pinkfarbenen Kleid und ein Stabmixer!!  Die Werbung für eine Spielküche zeigt  Frauchen am Herd,  einen Teddy unterm Arm, der den Nachwuchs repräsentiert, in einem Kochtopf rührend.

Und was macht Papi? Gemüse schneiden, den Müll runterbringen, den Tisch decken? Nö. Er lehnt am Kühlschrank und telefoniert. War wahrscheinlich ein anstrengender Tag bei der Arbeit. Wer wissen will, wie es um die im Grundgesetz festgeschriebene Geschlechtergleichheit bestellt ist, muss nicht die Frauen in den Aufsichtsräten zählen, sondern nur ins nächste Kaufhaus gehen – oder vielleicht auch  in die eigene Küche.

Die siebenköpfige Jury, darunter Anke Domscheidt-Berg  und Tarik Tesfu, der die Youtube-Kolumne „Genderkrise“ herausgibt, hat die Qual der Wahl. An die Konsumenten ist der „Goldene Zaunpfahl“ ein Wink, diese idiotischen Marktgesetze zu unterlaufen.