Berlin„Jetzt scheint es endgültig vorbei: Eine Miss Schweiz wird es offenbar nie wieder geben“, schreibt eine Schweizer Illustrierte. Feministische Herzen fliegen auch in Deutschland höher, der Schönheitswettbewerb hat im südlichen Nachbarland endlich ausgedient.

Wenn auch nicht ganz freiwillig, denn die ausrichtende Miss-Organisation muss Konkurs anmelden. Wie immer gab es Stress um die liebe Kohle, es fanden sich schon 2016 und 2017 keine Sponsoren, die ihr Geld in die Misswahl pumpen wollten. Die scheinbar schönste Schweizerin im Jahr darauf – zumindest die, die als solche im Wettbewerb auserkoren wurde – hatte schon nach einigen Monaten Miss-Dasein keine Lust mehr, vor den Schönheitskarren gespannt zu werden, war kaum mehr erreichbar, und ja, auch hier zankte man sich am Ende noch um Geld.

Dass es in der Schweiz nun keinen Schönheitswettbewerb mehr gibt, ist eine mehr als wohltuende Nachricht. Dass es ihn nicht mehr gibt, weil sich keine Leute finden, die diese Art von Unterhaltung finanzieren wollen, ist umso erfreulicher.

Feministisch handeln heißt immer auch selbstbestimmt handeln. Man könnte also meinen, dass Frauen, die Spaß an dieser Art von Wettstreit haben, daran teilnehmen sollten. Sollen sie auch. Das macht Schönheitswettbewerbe aber nicht feministischer. In Deutschland durfte frau, um mitzumachen, bis 2018 weder verheiratet noch Mutter sein, auch Nacktfotos durften nicht veröffentlicht worden sein.

Welches konservative Frauenbild wird so vermarktet? Schön ist nur, wer rein und unschuldig ist! Selbstständige Frauen, die Kind und Beruf unter einen Hut bringen müssen und abends trotzdem noch vorm Angetrauten selbstbewusst posieren, gelten als unattraktiv?

Es stimmt optimistisch, dass das Aussehen von Frauen zumindest in der Schweiz nicht mehr auf diese Weise kommerziell ausgeschlachtet werden kann. In Deutschland hat man stattdessen auf eine reine Frauenjury umgesattelt, jetzt können Rainer Calmund oder Schönheitschirurg Werner Mang keine Frauen mehr bewerten. Es bleibt viel zu tun.