Am Anfang, sagt die Bibel, war das Wort. Und dann kam die Schrift; sie hat die menschlichen Zivilisationen revolutioniert. Darüber und über noch viel mehr wird man sich in dieser wunderbaren Ausstellung des Berliner Bauhaus-Archivs klar: Und wir denken über zwei entscheidende Begriffe nach: über die Schrift und die Methode, sie in fassbare, gedruckte, vervielfältigte Form zu bringen: Typografie als unerschöpfliches Universum .

Schrift bezeichnet bekanntlich Formen von Sprache, die durch ein Zeichensystem die Bewahrung und Weitergabe von Informationen ermöglichen, die lesbar und blinden Menschen haptisch vermittelbar ist. Natürlich kann man Schrift auch hören, dazu muss jemand sie vorlesen. Typografie umfasst – seit der Renaissance und dem Buchdruckerfinder Gutenberg – sämtliche Bereiche der Buchdruckerkunst, dank ihr konnte das Kulturgut Schrift verbreitet werden, hin zu Menschen, die dadurch Bildung, ja, Emanzipation erfuhren.

Schriftgestaltung des 20. Jahrhunderts

Mit „On-Type: Texte zur Typografie“ widmet das Bauhaus-Archiv sich zwar nicht der ganzen Kulturgeschichte der Schrift und der Typografie, aber dem entscheidenden Klassiker der Schriftgestaltung des 20. Jahrhunderts, zum Beispiel der des Bauhauses und der sogenannten Schweizer Typografie. Vorgestellt werden ebenso spätmoderne Positionen und heutige Computerschriften. Die Schau bietet uns Einblicke in Thesen, Manifeste, Positionen zur Typografie im deutschsprachigen Raum; anschaulich machen das vor allem Schriftmuster und Typo-Magazine.

Der Besucher lernt Pioniere und Protagonisten der Typografiegeschichte, samt ihren oft heftigen Debatten, Grabenkämpfen und Wettbewerben kennen. Wir erfahren fast alles über Bemühungen um Lesbarkeit, den Streit über Groß- und Kleinschreibung oder die Folgen der Digitalisierung.

Ausgebreitet in Vitrinen sind Originale aus den Beständen des Bauhaus-Archivs und des Mainzer Gutenberg-Museums. Darüber hinaus befinden sich in dem als Leselounge gebauten Ausstellungsraum Angebote zum Lesen, Hören und Betrachten. An Paneelen angebrachte Zettel mit Schriftbeispielen zum Mitnehmen erlauben die individuelle Zusammenstellung eines eigenen Katalogs. Der Schau ging ein Forschungsprojekt der FH Mainz voraus und die ausgestellten Schriften belegen wesentliche Entwicklungen. Etwa den Schriftenstreit um die Verwendung der Frakturschrift Anfang des 20. Jahrhunderts oder die typografischen Experimente des Bauhauses.

Bauhaus-Archiv, Klingelhöfer Str. 14. Bis 5. August, Mi–Mo 10–17 Uhr. Bauhaus-Spezial: So, 26. Mai, 11–14 Uhr, „Raum Skizzen“ und Do, 6. Juni, 19 Uhr, „Typo-Talk“ – Gespräch über Schrift.