BerlinMan kann einem Brettspiel kein schöneres Denkmal setzen, als es Vicco von Bülow alias Loriot im Jahr 1988 in „Ödipussi“ getan hat. Vier ältere Herrschaften treffen sich darin zu einer Partie Scrabble. Zunächst legt Frau Grothe mit der gestrengen Hochsteckfrisur ein Wort: „E, R. Er. Zwei Punkte.“ Viel sei das ja nicht, merkt die Mutter des einzigen Herren in der Runde an, bevor Tante Mechthild an der Reihe ist und unter den zusehends ungläubigen Augen ihrer Mitspieler das Wort „Hundnase“ legt. Das sei doch kein Wort, hält man ihr entrüstet entgegen, es heiße Hund-E-nase, da fehle also das E. Mechthild, die kein weiteres E in ihrer Ablagebank hat, entscheidet sich für einen neuen Versuch, den „Schwanzhund“. 57 Punkte reklamiert sie stolz für sich, aber auch damit kommt sie natürlich nicht durch. Denn man muss sich schon auch ein bisschen an die Regeln halten und dann hätte Frau Grothe ja vorhin auch ihre „Quallenknödel“ legen können.

Jeder, der schon mal Scrabble gespielt hat, weiß um den bitteren Ernst, der hinter dieser wunderbar bizarren Szene steckt: Welche Worte gelten, welche nicht, was sind gebräuchliche Formen, dürfen gebeugte Verben gelegt werden, und wie war das noch mal mit den Eigennamen und den Abkürzungen? Nicht ohne Grund haben viele Spielerunden einen Duden in greifbarer Nähe: Scrabble kann schnell zum echten Nervenspiel, der grüne Buchstabensack wütend in die Ecke gefeuert werden.

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