In Großbritannien laufen die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der Queen schon seit Monaten auf Hochtouren. Nun steht endlich das lange Royal-Wochenende an: Von 2. bis 5. Juni wird im Königreich vier Tage lang gefeiert, dass „Her Majesty“ seit 70 Jahren auf dem Thron sitzt. Rund um den Buckingham-Palast geht es seit Wochen zu wie im Bienenstock, auch das Volk kann sich freuen: Die Regierung hat extra einen Feiertag spendiert.

Auch in Deutschland kann man dabei sein bei Geburtstagsparaden und Gottesdienst, bei „Trooping the Colour“ und dem ganzen Tamtam drumherum. Das ZDF berichtet live von den Feierlichkeiten und zeigt zudem verschiedene royale Dokumentationen. Man kann sich aber auch jetzt schon für den royalen Reigen in Stimmung bringen. Unsere Tipps zum Schwelgen und Schmachten.


Wo selbst die Queen zuschaut: „The Crown“ auf Netflix

Was Elizabeth selbst über „The Crown“ denkt, ist nach wie vor unklar. Sie habe die Serie gesehen und – abgesehen von ein paar skandalösen Szenen – für gut befunden, wollen einige Medien „aus Palastkreisen“ vernommen haben. Die Monarchin fürchte, dass Zuschauerinnen und Zuschauer Fiktion von Wirklichkeit nicht unterscheiden könnten und strebe eine Klage gegen den Streamingdienst Netflix an, heißt es in anderen Artikeln. Einig ist man sich nur in einem: Zwischendurch hat die Königin offenbar schon mal reingeschaltet. Und wie könnte sie auch nicht ...

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Unverkennbar: die ältere Queen, gespielt von Olivia Colman, daneben Josh O’Connor als Sohnemann Prinz Charles.

„The Crown“ ist eine grandios gespielte, großartig ausgestattete, gut recherchierte biografische Serie. Zugegebenermaßen ziehen sich die Staffeln ein bisschen wie Kaugummi – eben weil so detailliert aus dem Leben Elizabeth II. und ihrer buckeligen Verwandtschaft erzählt wird. Wer trotzdem dabei bleibt, wird neben dem allseits bekannten Diana-und-Charles-Geplänkel oder der hervorragend porträtierten Eiseskälte zwischen der Königin und Premierministerin Margaret Thatcher auch mit einigen unbekannteren Anekdoten überrascht. Oder wussten Sie, dass London 1952 von einer so verheerenden Smog-Katastrophe heimgesucht wurde, dass die Menschen in der Stadt vier Tage lang nur zehn Zentimeter weit sehen konnten, es zu unzähligen Verkehrsunfällen und Tausenden Toten kam? Eben. Manuel Almeida Vergara

Die bisherigen vier Staffeln „The Crown“ gibt es aktuell auf Netflix, noch in diesem Jahr soll eine weitere Staffel veröffentlicht werden.


Hach: Eine Dosis „Downton Abbey“

Es gibt keine tollere Serie zum Schwelgen und Schmachten als „Downton Abbey“. Das Schicksal der Familie Grantham und ihres Personals lässt niemanden kalt, so detailgenau und realistisch ist es inszeniert, so gekonnt wurde es eingebettet in die großen historischen Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Man möchte sofort einziehen ins hochherrschaftliche Anwesen in Hampshire, durch das beschauliche Dorf Bampton spazieren und hernach mit Ihrer Ladyschaft Violet Crawley einen Tee trinken.

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Hier ließe sich's gut aushalten: In das hochherrschaftliche Anwesen in Hampshire möchte man gleich einziehen.

Im Kinofilm von 2019 kommt übrigens auch das ganz große royale Besteck zum Einsatz: Per Post kündigt der Buckingham Palace an, dass König Georg und Queen Mary im Rahmen einer königlichen Reise durch das Land zu Besuch nach Downton Abbey kommen. Kreisch! Auch Königin Elizabeth II. soll ja ein „Downton Abbey“-Fan sein. Den Drehort Highclere Castle kennt die Queen laut einem Bericht des britischen Telegraph gut – und wies demnach auch gern auf Fehler in der Produktion hin. Anne Vorbringer

Alle sechs Staffeln „Downton Abbey“ gibt es aktuell auf Netflix, den ersten Film zur Serie gibt es zum Beispiel auf Apple TV oder Amazon Prime.


Nur für hartgesottene Royalisten: „The Queen“

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Hat's auch nicht immer leicht: Die Queen, gespielt von Helen Mirren, im Film „The Queen“.

Stephen Frears' filmischer Bückling vor der britischen Königin ist wirklich nur was für ganz beinharte Fans der englischen Royals und ihres hier angestaubt und komplett aus der Zeit gefallenen Alltags zwischen Charity-Veranstaltungen, Jagdgesellschaften und dem Five o'clock Tea.

Als tantige Übermutter der Nation schreitet Elizabeth II. (Helen Mirren) gravitätisch durch eine Wirklichkeit, die sie längst nicht mehr versteht. Alles scheint kopfzustehen, ihre tote Schwiegertochter mutiert zur wahren „Königin der Herzen“ und dann kommt auch noch dieser Tony Blair, missachtet alle höfische Etikette und will den Royals den Weg aus der Krise zeigen.

Frears' Sülzorama von 2006 gipfelt in einer Szene, in der die Königin nach einer Reifenpanne in den Highlands einem Vierzehnender begegnet, der sie ob des majestätischen Moments zu einem Tränchen nötigt. Gähn! Marcus Weingärtner

Den Film „The Queen“ gibt es aktuell auf Amazon Prime oder Google Play.


Hier wird geschnackselt, was das Zeug hält: „Bridgerton“ auf Netflix

Der wichtigste Grund, „Bridgerton“ zu schauen, ist bekanntlich weg: Der unerträglich attraktive Regé-Jean Page, der in der ersten Staffel noch den hinreißenden Herzog Simon Basset mimte. In der zweiten Staffel ist Page nicht mehr dabei, was eine echte Schande ist. Zumal es in „Bridgerton“ ja wirklich hauptsächlich um das Eine geht – fröhlich schnackselten sich die Charaktere quer durch die ersten acht Folgen, ständig schlief irgendwer mit irgendwem – rabimmel, rabammel, rabumm –, viele Möglichkeiten also, den nackten Herzog in schweißtreibender Aktion zu bewundern.

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Wer ist heißer? Links Anthony Bridgerton mit koketten Koteletten, rechts der hinreißende Herzog Simon Basset.

Aber das war einmal und nun steht die Frage im Raum: Was hat die Serie unabhängig davon noch zu bieten? Zum einen wären da mal die fantastischen, wenn auch historisch nicht ganz korrekten Kostüme. Außerdem die Seifenoper-artigen Geschichten aus der Londoner High Society des frühen 19. Jahrhunderts, die durchaus spannend zu verfolgen sind. Interessant ist auch das sogenannte Colorblind Casting der Serie, dass also auch Schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler Adelsrollen übernehmen, die historisch betrachtet eigentlich weiß besetzt sein müssten. Und zu guter Letzt: Jonathan Bailey in der Rolle des Koteletten-tragenden Schönlings Anthony Bridgerton. Der ist nicht ganz so hot wie der Herzog aus der ersten Staffel, kann über dessen Verlust aber ein bisschen hinwegtrösten. Manuel Almeida Vergara

Die ersten beiden Staffeln „Bridgerton“ gibt es auf Netflix, auch eine dritte und vierte Staffel sowie ein Spin-off über die Serien-Königin Charlotte soll es bald geben.


Zwischen Frust und Fressen: „Spencer“

Kristen Stewart hat spätestens mit dieser Darstellung Lady Dianas einen Oscar verdient. Dieser manipulative Augenaufschlag, der Schmerz, die Verlorenheit angesichts der desinteressierten königlichen Sippe, das alles spielt Stewart mit einer bald beängstigenden Perfektion, besser war nur noch das Original.

Die Handlung von Spencer, so der Mädchenname Dianas, ist so reduziert, dass man Stewart keine Sekunde aus den Augen verlieren kann, wenn sie vereinsamt in den endlosen Fluren und Hallen von Sandringham House, wo sie die Weihnachtstage mit der kalt-königlichen Familie verbringen muss. Alles ist durchgetaktet, von der Garderobe über die Mahlzeiten bis hin zu den belanglosen Unterhaltungen. Diana, frustriert von ihrer Ehe, ohne Aufgabe und Erfüllung, bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Bulimieattacken, Suizidgedanken und dem Wunsch, aus diesem wahrlich goldenen Knast auszubrechen. Das ist wirklich großes Kino! Marcus Weingärtner

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Leidet sich durch 117 Filmminuten: Kristen Stewart als die tragisch-traurige Lady Di in „Spencer“.

Der Film „Spencer“ ist in Deutschland noch nicht im legalen Stream zu sehen, kann aber auf Amazon bereits vorbestellt werden.


Für Realisten: Neue Dokus über die Queen

Wer es gern kitschfrei und non-fiktional mag, für den gibt es rund um das Thronjubiläum ebenfalls ausreichend Material. So wartet etwa in der ARD-Mediathek die sechsteilige Doku-Reihe mit dem dann doch nicht ganz kitschfreien Titel „Die Queen – Schicksalsjahre einer Königin“. Darin erfährt man zwar nichts bahnbrechend Neues, bekommt aber doch noch mal einen guten Überblick über sechs entscheidende Phasen im Leben der Monarchin, kommentiert von Experten wie der langjährigen London-Korrespondentin Hanni Hüsch. Eine interessante Einordnung also, eine geschichtliche Abhandlung der vergangenen 70 Jahre. Das Werk von Regisseurin Claire Walding spiegelt nicht nur das Leben der Queen, sondern die britische Nachkriegsgeschichte.

dpa/BBC Studios
Szene aus der BBC-Doku „Elizabeth: The Unseen Queen“: Prinzessin Elizabeth (re.) und Prinzessin Margaret.

Das Privileg, in alten Heimvideos der königlichen Familie herumstöbern zu dürfen, hatte dann aber doch die BBC, mit der die Royals zuletzt oft im Clinch lagen. Doch der Streit legt keinen Schatten übers Thronjubiläum, und so zeigt die Dokumentation „Elizabeth: The Unseen Queen“ bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus der Kindheit der Königin – Material aus dem Privatbesitz der Royal Collection, das von Elizabeth, ihren Eltern, Prinz Philip und anderen aufgenommen wurde. Darunter ist ein Clip, in dem die junge Prinzessin ihren Verlobungsring anlächelt. Der Daily Telegraph gab dem aufwendig produzierten und recherchierten Film eine Fünf-Sterne-Bewertung und kommentierte, als Zuschauer fühle man sich der Königin „näher als je zuvor“. Anne Vorbringer

Die Dokumentation „Die Queen – Schicksalsjahre einer Königin“ gibt es aktuell in der ARD-Mediathek, auch auf Netflix gibt es einige Queen-Dokus.


Für Antifans: Die Simpsons und der Royal-Quatsch

Sie können mit dem ganzen royalen Tamtam nichts anfangen? Dann bleibt zur Nicht-Einstimmung immer noch eine Folge der Simpsons. Die Queen taucht zum Beispiel in der Episode „Kamp Krusty“ auf, wo sie Krusty dem Clown die Ritterwürde verleihen will, doch dann muss der weg und letztlich erhält Elton John die Ehrung.

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Mit oder ohne royalen Gast-Star: Die Simpsons gehen doch eigentlich immer.

In einer anderen Folge namens „The Regina Monologues“ reisen die Simpsons in die Ferien nach London, wo Homer mit dem gemieteten Mini-Cooper die königliche Kutsche anfährt. Die Queen wirft ihn zur Strafe in den Tower, begnadigt ihn aber später und erlaubt ihm, England zu verlassen – unter der Bedingung, dass er Madonna mitnimmt. Anne Vorbringer

Alle 32 Staffeln „Die Simpsons“ gibt es auf Disney+, die hier beschriebene Episode „Kamp Krusty“ ist die erste Folge der vierten Staffel.