Berlin - Die Provokation gehört zum Wesen des Rap. In den Texten dieser Musikrichtung sind Frauen Schlampen, Nutten oder geile Fotzen, die ordentlich gefickt gehören. Die verkackte Welt ist bevölkert von Krüppeln, Spasten und schwulen Säuen. Das ist natürlich alles ironisch gemeint, aber der Spießer kapiert das ja nicht. Und wenn der sich dann ordentlich aufregt, macht es erst richtig Spaß.

Als jugendgefährdend indiziert zu werden, ist in der Szene eine Art Auszeichnung. Der Berliner Rapper Fabian Cataldi (32) alias Bass Sultan Hengzt hat dies mit all seinen letzten vier Alben geschafft. Nun bringt er bald ein neues Album heraus, „Musik wegen Weibaz“, und die deutschen Rap-Fans drehen durch. Denn auf dem Cover der Premium Edition, das er Anfang der Woche auf Facebook und Twitter postete, ist ein Foto von zwei jungen Männern in inniger Pose zu sehen. Die beiden sind kurz davor sich zu küssen. Jetzt stellt sich heraus, dass es in der Szene ein Erregungspotenzial gibt, das dem des Spießers in nichts nach steht, und die Homophobie bei einigen eben nicht nur Attitüde ist, wie unter anderem von Boss Sultan Hengzt (BSH) behauptet.

Weiterentwicklung statt Frauenverachtung

Um eine Vorstellung, von dem zu vermitteln, was auf BSHs Facebook-Seite los ist, sei hier der Post einer gewissen Sarah Müller zitiert: „Du elendee schwule missgeburt!! Hab dein album immer gekauft, aber ab heute siehst du keinen Cent mehr du schwuler bastard!! Disslike!!“ Ihre Zuschrift gehört übrigens zu den gemäßigten Äußerungen. Hunderte entfernten ihren Like-Daumen, aber natürlich gab es auch jede Menge Zuspruch und Schulterklopferei, etwa von den Grünen-Politikern Cem Özdemir und Volker Beck.

Im ARD-Morgenmagazin wurde BSH gar als Kämpfer gegen die Schwulenfeindlichkeit gefeiert. Und was sagt BSH selbst zu dem von ihm ausgelösten Shitstorm? Er habe doch nur all diejenigen ärgern wollen, die immer wieder mal fragen, ob er schwul geworden sei, seit er sich vom Battlerap (eine Form des Rap, bei der Diss-Attacken auf einen Gegner im Mittelpunkt stehen) weg bewegt habe. Er habe sich halt weiterentwickelt und wolle auch keine frauenverachtenden Texte mehr schreiben, sagte er dem Spiegel. Er provoziere jetzt, indem er sage, dass er erwachsen sei. „Darüber regen sich immer noch genug Leute auf.“

Sicher ist, dass die Aufregung ziemlich gut für das neue Album ist. „Läuft ja richtig mit Homophobie“, twittert BSH. Provokation ist eben nicht nur ein Wesensmerkmal des Rap, es ist auch eine Marketingstrategie, mit deren Hilfe man mit kleinem Aufwand maximale Aufmerksamkeit erreichen kann.