Montag ist kein beliebter Wochentag. Freitag wären die meisten schon lieber, dürften sie wählen, Mittwoch wäre erträglich, als Sonntag hätte man wohl ein sonniges Gemüt. Die Settman-Siebenlinge konnten nicht wählen, es wurde ihnen bestimmt, und so ist Monday schrecklich fleißig, während Saturday eigentlich nur Party macht und der Rest der Welt sich fragt, warum Sunday danach immer so erholt aussieht.

Alle sieben Schwestern werden von Noomi Rapace gespielt, und der humorvolle Teil von „What Happened to Monday“ ist damit beendet. In der Science-Fiction-Dystopie von Tommy Wirkola dürfte es Siebenlinge gar nicht geben.

Ein Leben im Geheimen

Als Reaktion auf eine globale Umweltkrise herrscht eine rigide Ein-Kind-Politik. Dummerweise steigert die notwendig gewordene Kunstnahrung das Risiko von Mehrfachgeburten. Überschüssiger Nachwuchs wird in Laboratorien konserviert, ein Angebot der Regierung für „nach der Krise“.

Um seine Töchter vor diesem Schicksal zu bewahren, hat der Vater (in Rückblenden: Willem Dafoe) ein nicht minder straffes Programm ersonnen: Die Settmans leben im Geheimen, jede darf nur an einem Tag der Woche aus dem Haus. Ihr Leben kreist um die Furcht vor Entdeckung, verhindert durch die gemeinsame Darstellung der Kunstfigur „Karen“:

Karen geht jeden Tag ins Büro, in langweiligen Klamotten und dezentem Make-up. Die jungen Frauen wären aber lieber individuell, wild oder wenigstens kreativ, und in der abgeschotteten Wohnung – ein hochprofessionelles Perücken- und Schminkstudio – sind sie das auch. Das ist verwirrend und sorgt für Streit.

Es fehlt an Nuancen und einer gewissen Stimmigkeit

Für Noomi Rapace ist es eine reizvolle Aufgabe: Die sieben Schwestern sind im Grunde Aufsplittungen ihrer Rolle als Lisbeth Salander, das variable Cyberpunk-Girl der Stieg-Larsson-Verfilmungen („Verblendung“).

Indes offenbart gerade ein Disput am Küchentisch die technischen Grenzen des Films: Das Problem der Mehrfachdarstellung wurde in vordigitalen Zeiten schon besser gelöst. Da fehlt es an Nuancen, Schattierungen, einer gewissen Stimmigkeit. Der Leser ahnt, was kommt: Mit den Charakteren ist es genauso.

Der Norweger Wirkola, bekannt durch die Nazi-Zombi-Splatter-Parodie „Dead Snow“, erliegt den Verlockungen des Genres und hält es doch mit der Action. Als Monday eines Tages nicht zurückkommt, bleibt den verbliebenen Schwestern nur der Kampf.

Vierlinge hätten auch gereicht

Wir sehen Glenn Close als durchtriebene Leiterin der Kinderzuweisungsbehörde, die ihnen eine Horde eindimensionaler Schergen auf den Hals hetzt. Rapace ist glänzend als Martial-Arts-Kämpferin, die sich siebenfach ihrer Haut erwehrt – in der besten Szene auch gegen sich selbst.

Doch im Dauerfeuer solcher Effekte vergisst der Film die eigenen Stärken. Hätte „What Happened to Monday“ doch viel mehr sein können: eine kluge Reflexion über das Schauspielern, ein Nachdenken über moderne Rollenerwartungen an eine Frau, überhaupt den arbeitenden Menschen, nicht nur in einem totalitären Unrechtsstaat. Dazu freilich müsste man die Figuren unterscheiden können. Anders gesagt: Vierlinge hätten auch gereicht.

What Happened to Monday USA, Frankreich, GB 2017, Regie: Tommy Wirkola, Drehbuch: Max Botkin, Kerry Williamson, Darsteller: Noomi Rapace, Willem Dafoe, Glenn Close, Marwan Kenzari u.a.;

124 Min., Farbe. FSK ab 16