Amsterdam - Es gibt einen Moment an einem Junisonntag, der in meiner Erinnerung die unmittelbare Vergangenheit in zwei Hälften schneidet. Ich spaziere gerade mit meiner Freundin Simone über die Spuistraat im Amsterdamer Zentrum, als ein Mann mit wässrigem Blick auf uns zusteuert und mich in mühevoll artikulierten Silben fragt: „Where is the hostel?“, als ob es nur eine dieser gewinnbringenden Bettenburgen für Studentinnen der Kulturanthropologie und Kolonien lebensbejahender Krätzemilben in dieser Stadt gäbe.

In Erinnerung blieb er mir als der erste sternhagelvolle Partytourist nach der Quarantäne, in der das historische Zentrum Amsterdams in all seiner pittoresken Pracht fast menschenleer war: Ich fand die Leere erst gespenstisch, dann aber beruhigend, und als sich der verfeierte Landstreicher mit schwer zerzaustem Männerdutt von Simone und mir entfernte, wurde mir bewusst, dass das Stadtzentrum nun bald wieder einem dicht bevölkerten Bienenstock gleichen würde – wobei die fleißigsten Bienchen im Rotlichtviertel unterwegs sind, einige Jungbienen auf Klassenfahrt zum ersten Mal halluzinogene Pilze genommen haben und überall bekiffte Bienen die sowieso schon engen Waben versperren – um mal im Bild zu bleiben. Eigentlich, so dachte ich an jenem Sonntag im Juni, könnten Amsterdamer wie Berliner froh sein über jede Welle, die Partytouristen aus unseren Städten schwemmt.

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