Mateja Meded, Schauspielerin, Aktivistin und Autorin.
Foto: Paulus Ponizak

Berlin Die Schauspielerin und Autorin Mateja Meded fasst das Problem folgendermaßen zusammen: „Das System, in dem wir leben, ist ein großer, weißer Heteroschwanz, und er ist immer sichtbar.“ Und die Lösung? „Entweder ich bringe mich um, oder ich komme mit einer Kalaschnikow und bringe alle anderen um, oder wir hacken das System.“ Letzteres ist dem Applaus zufolge ganz offensichtlich der Weg der Wahl des Publikums bei der diesjährigen Berlinale-Veranstaltung der Gender-Gerechtigkeitsbewegung Pro Quote Film am Montagmittag in der Akademie der Künste am Pariser Platz. 

Gemeint ist das System, in dem die Hälfte aller Filmemacherinnen auf dem Weg von der Hochschule bis zur Leinwand verlorengehen, wie Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in ihrem Grußwort vorrechnet. Das System, in dem Frauen in Filmen weniger Rollen haben, weniger Text bekommen und sowieso nie so lange im Bild sind wie Männer. Das System aber auch, in dem das kleine Stück vom Filmkuchen, das Frauen abbekommen, im wesentlichen unter weißen Mittelschichtsfrauen ohne Handicap verteilt wird. 

Kampagnenvideo von Pro Quote Film mit der Regisseurin Biene Pilavci.

Quelle: YouTube

Nur diese dürfen, wie mehrere Panelistinnen sagen, im Film Allerweltsprobleme haben. Alle anderen werden in den meisten Drehbüchern mit dem Problem ihrer Abweichung identifiziert: ihrer Hautfarbe, ihrer Queerness, ihrem Blindsein oder Im-Rollstuhl-Sitzen, ihrem Migrationshintergrund. Unter dem Hashtag-Motto "Share your Power" (Teile deine Macht), wird vor Ort im Plenarsaal der Akademie, aber auch mit zahlreichen kurzen Kampagnenvideos im Internet, die Sichtbarkeit von Diversität im Film gefordert sowie unter den Machern und Macherinnen ein Bewusstsein für Intersektionalität (also dafür, dass es verschiedene, sich verschränkende Arten von Benachteiligung gibt) und die jeweils eigenen Privilegien.

Sich nicht erklären zu müssen, das ist das größte Privileg.

Lara-Sophie Milagro

Im Namen postmigrantischer und schwarzer Frauen sowie Frauen of Colour haben die Filmemacherinnen Biene Pilavci und Pary El-Qalqili eine Liste mit „Super-8-Filmforderungen“ erstellt, die helfen sollen, das System (s.o.) tatsächlich zu hacken: divers zusammengesetzte Gremien gehören ebenso dazu wie Anti-Rassismus-Schulungen für alle, die öffentliches Geld verteilen. Und jenen, die den hierbei notwendigen Diskurs für anstrengend halten, rief die Schauspielerin Lara-Sophie Milagro abschließend zu: „Wovon ich träume, ist, dass meine Tochter nicht mehr auf solchen Podien sitzen muss. Denn sich nicht erklären zu müssen, das ist das größte Privileg.“