Britney Spears, 39, ist gerade wieder in aller Munde. Das hat mit der Veröffentlichung einer neuen Dokumentation der New York Times zu tun: In „Framing Britney Spears“ geht es um die Selbstbestimmung der US-Sängerin und wie diese eingeschränkt ist, weil ihr Vater Jamie Spears die Vormundschaft über seine Tochter innehat. So wurde es nach zahlreichen Skandalen und Eskapaden im Februar 2008 entschieden: Nach einem Eilantrag ihrer Eltern wurde Britney Spears in Los Angeles entmündigt, ihr Vater wurde vom Gericht als Vormund eingesetzt. Seither, seit 13 Jahren also, verwaltet Jamie Spears gemeinsam mit einem Anwalt treuhänderisch das Vermögen der Multimillionärin Britney. Dagegen gehen Fans der Sängerin unter dem Hashtag #FreeBritney schon lange auf die Barrikaden – öffentliche Unterstützung anderer Stars aber gab es bisher kaum.

Die besagte Dokumentation hat dies geändert. Nun ist es nicht mehr nur die Sängerin Miley Cyrus, 28, die Britney Spears beispringt. Cyrus ist wie Spears ein Kinderstar, als Tochter des Country-Musikers Billy Ray Cyrus stand sie früh im Rampenlicht und kennt sich aus mit Fremdbestimmung. Als ihre Filmkarriere begann, trafen ihre Eltern Entscheidungen bezüglich der Repräsentation ihrer Tochter; da war sie allerdings auch erst zwölf Jahre alt. Bei Miley Cyrus ist es klar geregelt: Für die Finanzen ist der Manager ihres Vaters zuständig, ihre Mutter ist Co-Managerin. In diesem Fall aber scheint das Family-Business zu funktionieren und im gegenseitigen Einvernehmen stattzufinden.

Der Trailer zur Spears-Doku.

Quelle: YouTube

Spears hingegen hatte zuletzt mehrfach den Wunsch geäußert, dass jemand anderes als ihr Vater die Position des Vormunds übernimmt. Weder ihr Vater noch das Gericht haben diesem Anliegen bisher entsprochen, noch läuft das Verfahren. Im November erlitt die Popsängerin vor Gericht zunächst einen Rückschlag – die Vormundschaft ihres Vaters wurde bis mindestens Februar 2021 verlängert. Damals kündigte ihr Anwalt an, seine Mandantin trete in einen Streik und wolle nicht mehr auftreten, solange Jamie Spears die Vormundschaft innehat. 

Miley Cyrus hatte bereits bei einem Konzert 2019 „Free Britney“ ins Mikrofon gerufen und sich damit als Unterstützerin der Sängerin präsentiert. Ursprung der #FreeBritney-Bewegung waren Diskussionen um eine mögliche Gefangenschaft Britneys –2019 wurde in einem Podcast die Behauptung aufgestellt, der Popstar werde unter Vormundschaft stehend gegen seinen Willen in einer Psychiatrie festgehalten. Später ließ Britney die Bewegung wissen, dass sie die psychiatrische Einrichtung verlassen habe und es ihr gut gehe. Verwirrende Instagram-Botschaften aber sorgten dafür, dass die Gefangenschafts-Diskussionen weiter anhielten.

Nachdem nun im Film „Framing Britney Spears“ die Hintergründe zu dem Streit um die Vormundschaft über die Musikerin erneut und erstmals in dieser Ausführlichkeit behandelt werden, ergreifen immer mehr Prominente das Wort in Sachen #FreeBritney. 

„Sex and the City“-Star Sarah Jessica Parker, 55, ließ auf ihrem Twitter-Account erst einmal nur den Hashtag da, lieferte damit aber ihren Support für die Bewegung „FreeBritney“, die ja nichts Geringeres tut als Jamie Spears beschuldigen, gegen den Willen seiner Tochter deren Vermögenswerte und Karriere weiter zu verwalten. Dass Spears die Entscheidungsgewalt über geschäftliche und finanzielle Belange hat, scheint auch der Sängerin Bette Midler, 75, nicht zu gefallen. Sie postete ebenfalls den Hashtag. 

Kurt Cobains Witwe Courtney Love, 56, ging noch einen Schritt weiter, sie entschuldigte sich bei Britney Spears und verbreitete einen entsprechenden Hashtag. Sie bedankte sich bei den Machern der New-York-Times-Dokumentation. Vor kurzem hatte Love auf eine Fanfrage auf Instagram hin enthüllt, dass ihr beinahe ein ähnliches Schicksal wie Spears gedroht hätte. Auch ihr sei von Britneys Managerin Lou Taylor fast die Kontrolle über ihr Leben entrissen worden, nachdem sich ihr Ehemann Kurt Cobain umgebracht hatte. Sie wisse auch sehr viel über den Fall Spears, könne aber nicht über Einzelheiten sprechen.

Zu Wort gemeldet hat sich indes Britney Spears’ Partner Sam Asghari, 27. Der Personal Trainer ist seit 2016 mit der Sängerin zusammen. „Ich habe immer nur das Beste für meine bessere Hälfte gewollt und werde sie weiterhin dabei unterstützen, ihren Träumen zu folgen und die Zukunft zu schaffen, die sie sich wünscht und verdient“, sagte Asghari jetzt dem US-Promimagazin People. „Ich bin dankbar für all die Liebe und Unterstützung, die sie von ihren Fans auf der ganzen Welt erhält, und ich freue mich auf eine normale, wunderbare gemeinsame Zukunft.“

Für die New-York-Times-Doku gibt es noch keinen offiziellen Starttermin in Deutschland. Am vergangenen Freitag ist der Film zunächst beim US-Sender FX angelaufen. Das Machwerk der Regisseurin Samantha Stark thematisiert auch, wie es überhaupt zur Vormundschaft kommen konnte – den Weg von der niedlich bezopften Kunstfigur Britney Spears, von America’s Sweetheart hin zu einer Frau, die aus dieser Rolle ausbrechen will, sich den Kopf kahl rasiert und am Ende mit öffentlichen Zusammenbrüchen, Sorgerechtsstreitereien und Suchtklinik-Aufenthalten Schlagzeilen macht. Ehemalige Wegbegleiter von Spears sprechen im Film auch über deren Eltern. Nach Aussagen einer früheren Mitarbeiterin der Plattenfirma habe Jamie Spears zu ihr gesagt, seine Tochter solle so reich werden, dass sie ihm ein Boot kaufen könne. Ihre Mutter habe demnach alles dafür getan, dass Britney ein Star werde.

Am Ende bringt der Film zwar keine endgültigen Gewissheiten im Fall Spears gegen Spears. Und doch schildert die Doku, wie es in den späten 90er-Jahren in Amerika war, als junge Frau berühmt zu werden. Und dass es manchmal keine Gitterstäbe braucht, um von einem Gefängnis zu sprechen.