Berlin - Es war ein kleiner Moment, ein spontaner Klick. Doch dieser hat Anas Modamanis Leben verändert. Nicht zum Positiven. Das Selfie, das der junge Syrer im Sommer 2015 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) knipste, hat ihn berühmt gemacht. Und es hat dazu geführt, dass der heute 19-Jährige ein Opfer von Diffamierung, von Verunglimpfung, von Lügen, Hass und Hetze im Internet geworden ist.

Modamani lebte damals in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Spandau, die Merkel an diesem Tag besuchen wollte. Plötzlich waren viele Menschen da - und Modamani mittendrin. Als er neben Merkel stand, zückte er sein Smartphone und drückte auf den Auslöser. Ein Agenturfotograf hielt diesen Moment fest: Der Syrer, die lächelnde Bundeskanzlerin im himmelblauem Blazer und die überdimensional erscheinende Hand mit dem Smartphone in Nahaufnahme. Ein Schnapsschuss, wie ihn sich wohl jeder Fotograf bei solchen Terminen wünscht. Das Bild ging durch die Medien. Sogar Maybrit Illner lud den jungen Syrer in ihre Polit-Talkshow ein. 

Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt. Denn das Foto wurde inzwischen mehrfach im Netz instrumentalisiert – vor allem auf Facebook kursieren Fotos, die Modamani mit Taten in Verbindung bringen, an denen er nie beteiligt war.

Diffamierende Fotomontagen

Es tauchten Fotomontagen auf, in denen behauptet wurde, Modamani habe im Dezember einen Obdachlosen an der U-Bahnstation Schönleinstraße in Berlin angezündet. „Merkel machte 2015 Selfie mit einem der Täter“, schrieben die Urheber über den Beitrag. Auch an den Attentaten in Brüssel soll er beteiligt gewesen sein, hieß es plötzlich. Zuletzt verbreitete sich nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin eine Montage, das Modamani und Merkel zusammen zeigte: „Es sind Merkels Tote“, stand darüber. „Das ist Lüge, Lüge", sagte der junge Syrer dem Nachrichtenportal rbb24. „Das ist nicht Recht. Ich bin kein Terrorist.“

Eigentlich könnte Modamani als Paradebeispiel gelungener Integration gelten: Als einer, der genau das lebt, was Politik und so viele Bürger von Flüchtlingen erwarten: Er geht zur Schule, lernt Deutsch, arbeitet bei einer Fastfood-Kette. Seit einem Jahr wohnt der Syrer nun schon bei einer Familie in Berlin.

Seine Gastmutter Anke Meeuw kümmert sich um ihn, sie ist auch ein bisschen seine „Managerin“ geworden, weil sie die unzähligen Interviewanfragen für Modamani organsiert. Fleißig sei er, strebsam, er lerne viel und wolle sich stetig verbessern, schreibt Meeuw auf Facebook über den jungen Syrer.

„Wir haben also einem wunderbaren jungen Mann ein Heim gegeben, leben Integration, so wie sie gefordert ist, sparen dem Staat unglaublich viel Geld und wir und Anas werden behandelt, wie die letzten Menschen?“, schreibt sie weiter. Diese Menschen wollten nur frei sein, sie kämen nicht, weil sie unser Geld wollten. In Syrien hätten alle vor dem Krieg viel besser gelebt.