Das Buch „China regieren“ des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, hier in englischer Fassung
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BerlinAuf der Webseite der China National Publications Import & Export Corporation, also der chinesischen Handelsgesellschaft für Bücher und Zeitschriften, sind auch ausländische Buchhandlungen aufgeführt. Drei befinden sich in den USA, jeweils eine in Kanada, Australien und Großbritannien. Deutschland fehlt in der Liste. Und doch finden an chinesischer Kultur und Politik interessierte Leserinnen und Leser in diesen Tagen ein erstaunlich großes Angebot von Büchern aus China bei Thalia im Einkaufszentrum Alexa. Allerdings ist dies, wie mehrere kritische Betrachter vor Ort festgestellt und in den digitalen Medien kommentiert haben, ein recht einseitiges Angebot. In Originalsprache, auf Englisch und auf Deutsch stehen harmlose und regierungsfreundliche Sachbücher, Kinderbücher und Belletristik in drei Regalen, darunter zwei Bände des Staatspräsidenten Xi Jinping, „China regieren“. Obwohl es doch zu chinesischer Politik und Wirtschaft durchaus eine Menge Kritisches anzumerken gäbe.

Die Regale stehen zwar bei Thalia, sind aber nicht von sinologischen Fachkräften der Buchhandelskette bestückt worden, sondern von eben jener China National Publications Corporation. Das Buchangebot des eigenen Landes woanders zu präsentieren, ist nichts Ungewöhnliches, deshalb haben ja auch Buchmessen Gastländer. Auch gibt es in den nationalen Kulturzentren Bibliotheken, die im Interesse der Außendarstellung bestückt werden. China hat in Berlin ein solches Zentrum, in der Klingelhöferstraße in Tiergarten. 13.000 Bücher und Zeitschriften können Interessierte in der dortigen Bibliothek lesen.

Bücher aus anderen Ländern gibt es in Übersetzung zuhauf in Berlins Buchhandlungen. Wir haben mehrere auf englischsprachige Titel spezialisierte Läden, spanische und portugiesische Bücher kann man hier ebenso nach Beratung kaufen. Die sind ausgewählt von Fachleuten nach ihrem Wissen, Interessen und den Kundenbedürfnissen. Thalia aber hat die China-Regale von einer staatlichen Organisation bestücken lassen. Eine interessierte Kundin fragte nach, stellte ihre Erkenntnisse auf Facebook, von dort wurden sie über Twitter weiterverbreitet. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ließ sich die Aussagen von Thalia bestätigen, gegenüber T-Online war von einem „Test“ die Rede. Man fragt sich, was da getestet wird: die Geduld des Publikums? Die Dehnbarkeit der Demokratie? Oder einfach der Markt?