Berliner Clubs und Kneipen sind derzeit geschlossen.
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BerlinIn Berlin leben besonders viele, oft prekär bezahlte Kreative, deren Arbeitsorte angesichts der Corona-Krise als Erstes geschlossen wurden: Kneipen, Konzerthäuser, Theater. Jetzt plant der Senat ein eigenes Landesprogramm, um die Berliner Kreativwirtschaft in der Corona-Krise besonders zu unterstützen. Das teilte die Senatskanzlei dieser Zeitung mit.

Voraussetzung: Andere Maßnahmen dürfen nicht greifen

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) habe angeregt, Solo-Selbstständigen aus Kreativbranchen einen „schnellen, einmaligen, unbürokratischen“ Zuschuss von 15.000 Euro zu gewähren. Voraussetzung: Empfänger der schnellen Hilfe dürfen von anderen Maßnahmen gar nicht oder nur steuerlich profitieren. Man wolle das Programm auf 20.000 Anträge auslegen, hieß es.

Theater, Oper, Konzerthäuser, Museen und Ausstellungen waren in der vergangenen Woche als erste Orte des öffentlichen Lebens geschlossen worden. Das hat vor allem damit zu tun, dass das Land Berlin oft Eigentümer ist – und somit keine langwierige Rechtsverordnung zur Schließung braucht. Es folgten ab Samstag die Clubs, Kneipen und Bars.

Ab Mittwoch werden nun die Teile des Einzelhandels schließen, die nicht für die Versorgung der Bevölkerung notwendig sind, wie Kleider- und Elektronikläden. Einige Besitzer in Berlin ließen ihre Geschäfte bereits am Dienstag geschlossen. Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, sagte am Dienstag, die Verordnung treffe die Händler „brachial und mit großer Gewalt“.

„Berliner Rettungsschirm“: 300 Millionen Euro, offen für alle Branchen

Um den zurzeit nicht quantifizierbaren Schlag für die Wirtschaft zu lindern, plant der rot-rot-grüne Senat einen „Berliner Rettungsschirm“ von insgesamt 300 Millionen Euro. In einem ersten Schritt sollten 100 Millionen Euro ausgezahlt werden, im Fokus sollen dabei auch Klein- und mittelständische Unternehmer stehen. Danach sollen über den Liquiditätsfond insgesamt bis zu 200 Millionen Euro bereitstehen.

„Wir öffnen diesen Fonds für alle Branchen in der Stadt“, sagte Wirtschaftssenatorin Pop am Dienstag. Explizit solle der „Berliner Rettungsschirm“ auch kleine Unternehmer, Selbstständige und Freie sowie die Kreativwirtschaft schützen. Auch die Bundesregierung hat Hilfen und Erleichterungen für Unternehmen in Aussicht gestellt, darunter mehr Flexibilität bei Steuervorauszahlungen und Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld.