Jahrelang haben sie für ihre Arbeitsräume gekämpft, jetzt haben sie gewonnen: Etwa 80 Künstler nutzen seit einigen Jahren die früheren Bürogebäude der Akademie der Wissenschaften an der Prenzlauer Promenade 149 in Pankow zu günstigen Konditionen als Ateliers. Vor fünf Jahren hatte der Senat entschieden, dass die Künstler ihre Räume verlassen müssen, denn in dem sanierungsbedürftigen Plattenbau, der dem Land Berlin gehört, sollten neue Sozialwohnungen entstehen. Die Künstler wehrten sich – und blieben.

Am Mittwoch teilte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit, dass zu den bestehenden Arbeitsräumen der etwa 80 Künstler weitere 375 Ateliers und Proberäume für darstellende Kunst und Tanz sowie Musikübungsräume kommen werden. „Atelier-Meile“ nennt er dann auch gleich das Projekt. „Das ist ein riesiger Erfolg im Kampf gegen Verdrängung, den wir für Künstlerinnen und Künstler und für die Kulturlandschaft der Stadt erreicht haben“, sagt der Senator. Gerade auf Ateliers laste ein „enormer Verwertungsdruck“.

4000 Künstlern fehlen geeignete Räume

Nach langen Gesprächen hat die Kulturverwaltung den neuen Vertrag für das Gebäude nun unterzeichnet. Beteiligt sind daran der landeseigene Immobiliendienstleister Berlinovo sowie die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) – sie verwaltet etwa das Kunstquartier Bethanien in Kreuzberg und mehr als 500 geförderte Atelierräume. Für die kommenden 25 Jahre sind die Büroräume als Orte der Kunst gesichert. „Das ist ein großer Erfolg für die Künstler“, sagt Bernhard Kotowski, Geschäftsführer des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin. Nun gehe es um die Raumaufteilung und Vermietung der Ateliers zu „bezahlbaren Konditionen“.

Der Berliner Senat hat sich vorgenommen, die angespannte Situation von Künstlern in Berlin zu verbessern. Derzeit fehlen etwa 4000 Künstlern geeignete Arbeitsräume in der Stadt. Vor allem in den Innenstadtbezirken wird es immer schwieriger, bezahlbare Ateliers zu finden. Derzeit gibt es noch etwa 540. Der Masterplan Art Studios legt als oberstes Ziel fest, 2000 Ateliers bis zum Jahr 2020 zu schaffen.

Bereits die Hälfte geschafft

Mit dem Objekt Prenzlauer Promenade wird der aktuelle Raumbestand von etwa 540 Arbeitsräumen nahezu verdoppelt, heißt es in der Kulturverwaltung. Die Hälfte des Ziels von 2000 Räumen sei erreicht.

Weitere Ateliers sollen in den nächsten Jahren in Niederschöneweide entstehen, wenn die Hochschule für Schauspielkunst 2018 von der Schnellerstraße in die umgebauten Opernwerkstätten nach Mitte zieht. Dann könnten die Unterrichts- und Probenräume der Schule freischaffende Künstler aus den Bereichen darstellende Kunst, Tanz und Performance nutzen.

Wie bedrohlich die aktuelle Situation für die freie Kunstszene der Hauptstadt ist, wurde erst vor wenigen Wochen wieder deutlich, als sich etwa 50 Künstler, die ihre Ateliers in den früheren Werkstätten der Berliner Verkehrsbetriebe in den Uferhallen in Wedding eingerichtet haben. Sie meldeten sich zu Wort, weil sie Sorge haben, verdrängt zu werden. Die Eigentümer wollen das Grundstücke verkaufen, der Senat war bereit, es zu erwerben, musste bei einem Marktwert von 30 Millionen Euro aber aufgeben.