Serdar Somuncus Streit mit dem WDR: Der Kabarettist schadet einem berechtigten Anliegen

Köln - Serdar Somuncu ist ein Freund deutlicher Worte. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, und wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er das sehr deutlich. Der Kabarettist und Schauspieler will unbequem sein, aufrütteln. Er nimmt das sehr ernst.

Immer wieder hat er in der Vergangenheit auch Kritik an Fernsehsendern geäußert, die seiner Meinung nach die künstlerische Freiheit massiv einschränken. So sagte er vor einem knappen Jahr in dieser Zeitung, beim WDR werde wie im Politbüro zensiert. „Da werden eigene Befindlichkeiten zum Maßstab dessen gemacht, was später zu sehen ist. Das ist ein Unding.“ 

Jetzt ist er erneut mit dem WDR aneinander geraten. Eine Redakteurin will gerichtlich wegen Beleidigung eine Unterlassung erwirken, wie der Sender bestätigt. Es geht um Äußerungen des Kabarettisten in einer Podiumsdiskussion im Jahr 2015, die nun bekannt wurden. Darin sagte er, die Redaktion habe Leute hingerichtet. „Und diese Arschlöcher nehmen sich raus, im Namen der Gebührenzahler, uns zu zensieren. Und das war für mich die Keimzelle des Faschismus.”

Nun ist es eine Sache, sich inhaltlich zu streiten. Jeder, der die Abläufe gerade in öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern kennt, weiß, dass dort häufig Mutlosigkeit, Angst und Vorsicht vorherrschen, Entscheidungsprozesse ewig dauern und am Schluss halbgare Kompromisse stehen. Dass sich Somuncu ärgert, sollte es in seiner Zusammenarbeit mit dem WDR so abgelaufen sein, ist mehr als verständlich. Und es ist auch gut und richtig, dass er dies laut sagt. Viele seiner Kollegen berichten hinter vorgehaltener Hand ähnliches, wagen aber nicht, dies öffentlich zu äußern.

Die falsche Wortwahl

Als „Arschlöcher“ sollte man diejenigen, die man kritisiert, dennoch nicht bezeichnen. Vor allem war es die falsche Wortwahl, von „der Keimzelle des Faschismus“ zu sprechen.

Faschismus ist ein historisch eindeutig belegter Begriff, und auch wenn vielleicht vieles in der Zusammenarbeit mit dem WDR falsch gelaufen ist, sollte man niemanden in einen Topf mit Diktatoren wie Mussolini oder Hitler werfen. Mit solchen Äußerungen schadet Somuncu seinem berechtigten Anliegen, eine inhaltliche Diskussion über die Zusammenarbeit von Redaktionen und Künstlern anzustoßen.