BerlinHaben Sie sich schon immer gefragt, warum Sie die vermeintlich undurchschaubare Welt von Westeros an die Seiten oder den Bildschirm gefesselt hat? Einer Welt, der der Fantasy-Autor George R.R. Martin – der amerikanische Tolkien, wie ihn das „Time“-Magazin einmal nannte – seit über zwanzig Jahren in den Büchern „Das Lied von Eis und Feuer“ Leben einhaucht. Die Reihe wurde durch die HBO-Serie „Game of Thrones“ zum globalen Megaereignis, sie gilt heute als eine der erfolgreichsten Serien der Welt.

Bekannt ist die Serie auch für unzählige Charaktere, die über etliche Erzählstränge miteinander verbandelt sind und in der ans Mittelalter angelehnten Welt des Königreichs Westeros um die Vorherrschaft des Eisernen Throns kämpfen. Geliebte Figuren lässt der Autor – zum Ärgernis der treuen Fanbasis – aber auch regelmäßig sterben. Martin erzählt obendrein nicht chronologisch, viele Dinge bleiben auf den ersten Blick unklar und lösen sich erst in späteren Büchern auf. Das Publikum könnte nun ob der Vielzahl an Figuren, Haupt- und Nebengeschichten, der unterschiedlichen Erzählperspektiven und der anachronistischen Erzählzeit schnell den Überblick verlieren, dem Erfolg hat das dennoch nicht geschadet: Die Bücher wurden mittlerweile in fast 50 Sprachen übersetzt, mehr als 85 Millionen Mal verkauft. Das Serienfinale verfolgten allein in den USA knapp 20 Millionen Menschen.

Wie kann nun eine so undurchsichtige Geschichte trotzdem so erfolgreich sein? Ein Forschungsteam aus Großbritannien und Irland ist der Frage nachgegangen und hat herausgefunden: Trotz der Vielzahl an Figuren ähneln die dargestellten sozialen Geflechte denen im echten Leben vieler Menschen. Die Reihe ist also ziemlich greifbar und publikumsnah. Trotz Fantasy-Welt und verwobenen Erzählsträngen ist es also gut möglich, sich in die Geschichte hineinzufinden. Und – pro Kapitel tauchen maximal 35 Figuren auf. Eine überschaubare Anzahl, mit der wir auch im echten Leben gut umgehen können.

Selbst die Vielzahl an Todesfällen oder andere unerwartete Ereignisse seien erfolgsentscheidend, schreiben die Forscher und Forscherinnen in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA. Sie kämen zwar häufig und so überraschend, dass das Publikum zwar gefesselt wird, aber gleichzeitig nicht so oft, dass es dessen Fähigkeit übersteige, der Handlung zu folgen. Für Robin Dunbar, einen der Autoren der Studie, Beweis genug, „dass gute Schriftsteller innerhalb der psychologischen Grenzen des Lesers sehr sorgfältig arbeiten“.

Das psychologische und mathematische Forschungsteam aus fünf Universitäten untersuchte mittels Netzwerkanalysen mehr als 41.000 Kontakte der 2000 Figuren der literarischen Vorlage.