Serienhit: Lässt die neue „Game of Thrones“-Staffel Jon Snow am Leben?

Das Blut floss in Strömen, und mit diesem wohl auch Millionen von Tränen. Jon Snow, niedergestochen von seinen eigenen Leuten, unfassbar! Da muss man doch etwas tun können, dachten viele. Die Rede ist hier nicht von einer Not-OP. Denn zum Glück handelt es sich bei dem besagten Jon Snow, zu Deutsch Jon Schnee, nicht um einen echten Menschen, sondern nur um eine – wenn auch extrem beliebte – Figur in der Fernsehserie „Game of Thrones“.

Und deshalb waren die Mittel, mit denen die Fans den armen Recken retten wollten, auch ganz andere: Dutzende Petitionen, Tausende wütende Protestbriefe und gefühlte Millionen Kommentare, sogar von Serienboykott war die Rede. Ja selbst Barack Obama, Serien-Fan und nebenbei Präsident der Vereinigten Staaten, wollte Jon Snow am Leben sehen.

Bei all dem Hype wird deutlich, dass es sich bei „Game of Thrones“ um eine Serie der Superlative handelt. Fünf Staffeln gibt es von ihr bereits. Am Sonntag startete die von Millionen Fans sehnlichst erwartete sechste. Für alle Ketzer, die noch nichts mit der Serie anfangen können: „Game of Thrones“ spielt in einer mittelalterlichen Welt, in der auch Drachen, Ungeheuer und Zauberei vorkommen.

Wie in teuren Kinoblockbustern

Der fiktive Kontinent Westeros wird darin von einem einzigen König regiert. Doch schon in der ersten Staffel lehnen sich einige Fürstenhäuser gegen ihren Regenten auf und zetteln einen Bürgerkrieg an, der große Teile des Reiches heimsucht. Seitdem kämpfen die Familien endlos um den sogenannten eisernen Thron. Intrige, Mord, Affären, Willkür und Verrat sind dabei an der Tagesordnung.

Darum nun dreht sich die ganze Aufregung, Mittelalter-Fantasy. Wie konnte das passieren? Vor einigen Jahren noch hing dem Genre der Ruf an, nur etwas für sogenannte Nerds à la „The Big Bang Theory“ zu sein. Etwas für eine kleine Gruppe von jungen Männern, die sich dem Erwachsenwerden und den lästigen Anforderungen der wirklichen Welt erfolgreich entziehen.

Liest man in den zahlreiche Internetforen, was die Fans so sehr an der Serie fasziniert, tritt eine überraschende Erkenntnis zutage. Häufig wird dem Fantasy-Epos nämlich nachgesagt, es sei unglaublich realistisch. Ständige Gewalt, endlose Intrigen und unzählige Affären scheinen wohl das Bild vieler Fans vom Mittelalter zu prägen. Zugute kommt der Serie zudem, dass Zauberei und Fabelweisen nur dezent in Erscheinung treten. Andere Fans schwören dagegen auf die Hochwertigkeit der Serie. Die Spezialeffekte, die Rüstungen und Kostüme, die Städte und auch die Schlachten, alles sehe aus wie in teuren Kinoblockbustern.

Die vielen Nackt- und Sexszenen sind nach dem Selbstbekunden vieler Fans dagegen kaum ein Grund, einzuschalten. Ja, ganz im Gegenteil, häufig ist zu lesen, dass man die Serie eben nicht gucke, nur weil regelmäßig vor allem Schauspielerinnen blank ziehen. Wie viel Wahrheit dahinter steckt, sei dahingestellt. Sicher scheint aber, dass der ständige Tabubruch sicherlich auch zum Hype um die Serie beiträgt.

Tabubruch durch Gewalt- und Sexszenen

Am meisten geschätzt aber werden die Geschichte selbst und die Welt, die um sie herum geschaffen wurde. In der Tat gibt es im Fantasy-Reich unzählige Orte, Familien, Völker, Kampfbünde, Religionen, Sprachen und vieles mehr. In Kombination mit den einzelnen Handlungssträngen, die durchaus spannend sind, ergibt das eine Welt, in die man sich gern hineinziehen lässt.

Nun gibt es aber nicht nur Fans der Serie. Abschreckend dürften wohl etwa die vielen Gewalt-, Sex- und Nacktszenen sein, die vielfach gar nicht für die Erzählung der Geschichte gebraucht werden, sondern nur für den gehobenen Schauwert oder einen Tabubruch herhalten müssen. Nach einer Vergewaltigungsszene in der fünften Staffel war es dann sogar den Fans zu viel. Die Regisseure gelobten Besserung. In der Tat ist in der neuen Folge nur eine nackte Person – natürliche eine Frau – zu sehen.

Und so sehr die Fans es auch lieben, dass es im Grunde nicht einen großen, sondern viele kleine Handlungsstränge existieren, so sehr gibt einem diese Erzählweise das Gefühl, immer nur kurze Ausschnitte von verschiedenen Serien zu sehen. Besonders auffällig war dies in der ersten Folge der neuen Staffel. Kaum ein Charakter kommt länger als fünf Minuten vor.

Diese Zersplitterung des Plots könnte auch dazu führen, dass sich die Serienmacher irgendwann verzetteln, und das große Ganze aus den Augen verlieren. Statt auf ein furioses Finale hinzuarbeiten, werden immer neue Figuren eingeführt. Intrigen und Verrat wiederholen sich wieder und wieder. Das aber könnte der Hauptgrund sein, der bereits viele alte Fans in die Flucht geschlagen hat. Ein anderer sind die zu häufig langweiligen und bedeutungslosen Dialoge.

Nichtsdestoweniger kommen immer mehr neue Zuschauer hinzu. Die Fangemeinde wächst. Und sie fragt sich vor allem eines: Ist Jon Snow tot? Die Antwort lautet: wahrscheinlich schon. Die letzten Getreuen finden den leblosen Körper ihres Anführers, selbst die rote Frau hat keine Hoffnung mehr. Doch trotzdem reißen die Spekulationen nicht ab. Immerhin wurde der Körper des Verstorbenen in Sicherheit gebracht. Das muss doch was bedeuten! Ob sich der Protest der Fans gelohnt hat, wird sich also erst in den nächsten Folgen zeigen.