Illustration von Shakespeare's Othello um 1900.
Foto: imago images/KHARBINE-TAPABO

BerlinWenn große Häuser wie das Berliner Ensemble oder die Deutsche Oper wegen der Corona-Pandemie anfangen, Produktionen an der frischen Luft zu zeigen, ist die Shakespeare-Company darin schon lange geübt. Denn seit 2011 tritt die freie Gruppe bei Wind und Wetter im Naturpark im Schöneberger Südgelände auf und kann sich dabei auf ihr wetterfestes Publikum verlassen.

Aber natürlich verläuft die neue Saison auch für die Shakespeare-Company völlig anders als geplant: „Was sind das nur für verrückte Zeiten! Unser Spielplan war gerade fertig, unser Ticketshop kurz vor der Eröffnung, als ein klitzekleiner Erreger beschloss, die größten Staaten, ja die ganze Welt lahmzulegen“, so der Schauspieler Stefan Plepp.

Doch im Improvisieren sind sie geübt, mit Unwägbarkeiten kennen sie sich aus, und weil inzwischen manches möglich scheint, was lange undenkbar schien, geht es tatsächlich wieder los. Zum feierlichen Auftakt war eigentlich „Othello“ in der Regie von Nico Selbach angekündigt. Die Proben konnten wegen der aktuellen Umstände freilich nicht mehr abgeschlossen werden, deshalb gibt es das mörderische Eifersuchtsdrama im Rahmen einer szenischen Lesung, in die auch die Zuschauer diskursiv einbezogen werden.

Unter Corona-Bedingungen kommt dann „Maß für Maß“, das bereits bewährte „Buffa-Schauspiel mit Musik“ auf die Bühne. Wie diese feucht-fröhliche Inszenierung von Matthias Grupp jetzt aussehen wird? Das weiß selbst die Company nicht so genau, nimmt die Herausforderung allerdings sportlich und arbeitet mit Witz und Phantasie daran.

Als Novum stehen zwei Abende auf dem Programm, die zwar von Ensemblemitgliedern gestaltet werden, aber ausnahmsweise nichts mit Shakespeare zu tun haben. Johanna Spitzer und Michael Günther widmen sich in „Feuer an bloßer Haut“ von Rolf Schneider dem leidenschaftlichen Briefwechsel zwischen Franz Kafka und Milena Jesenská. Schließlich zeigt Thilo Herrmann noch mit „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ von Nikolai Gogol seinen ersten Soloabend.

Diese vier Aufführungen bestreiten den Spielplan bis zum 11. Juli. Bis dahin will man genügend Erfahrungen über den Betrieb unter den neuen Hygienebedingungen gesammelt haben, um das Programm weiter ausbauen und vielleicht bis Mitte September durchmachen zu können. Das wäre der Shakespeare-Company unbedingt zu wünschen, dann verlässt sie nämlich das Südpark-Gelände und zieht in eine ungewisse Zukunft. Ein Besuch lohnt sich unbedingt. Natürlich gilt auch hier, dass man eine Maske aufsetzen muss, wenn man nicht auf der Tribüne sitzt, sondern sich ein Glas Wein holt oder zur Toilette geht. Wichtiger ist doch, dass wieder Theater gespielt werden kann!

Shakespeare-Company Ab 20.6., Naturpark Schöneberg, Prellerstr. 35, Tel.:  20 60 56 36 Programm im Internet