Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste zu Berlin, und Kathrin Röggla (links), die Vizepräsidentin.
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BerlinWeiß noch jemand, was die europäische Idee ist? Nach dem Brand in Moria, angesichts der Trennung Großbritanniens von der EU, unter dem Eindruck nationalistischer Politik im Südosten und dem Anschwellen populistischer Stimmen? In der Akademie der Künste zu Berlin werden jetzt offenbar die Krümel der auseinandergesiebten europäischen Werte wieder aufgekehrt und zusammengesetzt. Ab Donnerstag treffen sich hier Künstler und Intellektuelle Europas – aus 28 Ländern! – zu einer Tagung. An deren Ende soll am Sonnabend ein gemeinsames Manifest stehen.

„Wir wollen uns festlegen auf Solidarität und einen offenen Kontinent, wo auch das Leben von Menschen, die von woanders kommen und hier leben, geschützt wird“, sagt Janine Meerapfel, die Präsidentin der gastgebenden Akademie vorab. „Wir müssen im Geiste der Aufklärung die Werte, für die Europa bisher stand, bewahren und gemeinsam weitertragen.“ Das klingt schön, aber stiftet es wirklich Hoffnung?

In bereits veröffentlichten Statements verweist der große Filmemacher Ken Loach darauf, dass Kunst nie neutral war. Kathrin Röggla, Berliner Vizepräsidentin, beschwört die Verbindungen der Künstler untereinander zum Austausch ihrer Ideen. Doch Erklärungen, offene Briefe, Unterschriftensammlungen gibt es zahlreiche in dieser Zeit des schnellen Umschlags der Meinungen. Ein Manifest ist zunächst auch nur eine Sammlung von Gedanken.

Blickt man auf die Tagesordnung der Konferenz, scheint das Motto des deutsch-polnischen Publizisten Basil Kerski für seinen Vortrag wie ein trauriger Kommentar. Er nahm sich eine Zeile aus einem Essay des polnischen Lyrikers Adam Zagajewski (übrigens lange als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt, der am Donnerstag bekannt gegeben wird). Bei ihm heißt es: „Manchmal hat es den Anschein, als wären die Europäer eine Literatengemeinschaft“, und den nächsten Satz zitiert Kerski: „Sie lieben das Wort, aber wie steht es mit der Tat?“