BerlinSiegfried und Roy, das weltberühmte Magierduo, ist nun im Tod vereint. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Siegfried Fischbacher an Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium litt und nach einer Operation in sein Zuhause, das Anwesen „Little Bavaria“ in Las Vegas, zurückgekehrt war. Nun ist er gestorben. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Fischbachers Schwester, die in München lebende Nonne Schwester Dolore. „Er ist sanft und friedlich eingeschlafen.“

Siegfried folgt seinem Partner Uwe Ludwig „Roy“ Horn nach nur acht Monaten. Roy war am 8. Mai in Las Vegas an den Folgen von Covid-19 gestorben. Siegfried zeigte sich damals zutiefst getroffen. „Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren. Schon bei unserer ersten Begegnung wusste ich, dass Roy und ich zusammen die Welt verändern würden. Es hätte keinen Siegfried ohne Roy und keinen Roy ohne Siegfried gegeben.“

Siegfried war der Zauberer, Roy der Dompteur, so lässt sich das stets als Einheit aufgetretene Duo näher beschreiben. Roy hatte bei seinem Onkel, dem Mitbegründer des Bremer Zoos, die Liebe zu den Raubtieren entdeckt. Bei seinem späteren Partner Siegfried verlief die Geschichte nicht ganz so geradlinig.

Der am 13. Juni 1939 in Rosenheim als zweites von drei Kindern geborene Siegfried suchte seine Freiräume in einem durch den Alkoholismus des Vaters allerdings schwierigen Elternhaus. Der Legende nach soll er mit acht Jahren in einer Buchhandlung ein Zaubereibuch entdeckt haben, das aber fünf Mark kostete. Die Eltern konnten das Geld nicht erübrigen. Aber Siegfried kam das Glück – oder Schicksal – zur Hilfe, er fand auf der Straße einen Fünfmarkschein und konnte sich also das Buch kaufen.

Ob die Geschichte so stimmt oder nicht, Siegfried wollte immer nur Zauberer werden. Doch 1959 heuerte er erst einmal als Steward auf dem Kreuzfahrtschiff „Bremen“ an – eine schicksalhafte Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellte. Denn Siegfried unterhielt neben seinem Job auch die Gäste, und zwar mit einem kleinen Zauberprogramm. Auf dem Schiff heuerte alsbald auch Horn an – ebenfalls als Steward – und sah sich die Vorstellungen Siegfrieds an. Offenbar fand er Gefallen an den lustig und leichthändig dargebrachten Zaubereien.

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Siegfried und Roy bei einem Auftritt 1987 bei „Mensch Meier“ in der ARD.

So kam es zu einer folgenreichen Begegnung, Roy forderte den Zauberer heraus. „Um ganz ehrlich zu sein, ist die ganze Zauberei doch sehr vorhersehbar“, habe Roy gesagt, so Siegfried später. Daraufhin sei er wütend geworden. „Für mich war er nur ein kleiner Spinner, der keine Ahnung hatte.“ Doch die Provokation ging weiter – ob er denn außer Kaninchen und Vögeln auch einen Geparden verschwinden lassen könne?

Roy hatte tatsächlich einen Geparden an Bord geschmuggelt. Nur wenige Tage nachdem Roy ihm das Raubtier gezeigt hatte, standen die beiden gemeinsam auf der Bühne des Schiffs – und Siegfried zauberte unter Jubel des Publikums mit dem Raubtier. Damit zeichneten sich auch schon die Grundzüge für den späteren Welterfolg ab: Siegfried und Roy kombinierten Unterhaltung mit Exotik, die „Kunst des Unmöglichen“ mit dem gut dosierten Nervenkitzel, den ihre Raubkatzen verbreiteten.

Explosiver Mix aus Zauberei und exotischen Tieren

Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen in den 60er-Jahren in Monaco der internationale Durchbruch gelang. 1967 kamen sie erstmals nach Las Vegas, ab 1970 waren sie dort drei Jahre im Stardust zu sehen. 1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin dicksten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus. Mit ihrem explosiven Mix aus Zauberei und exotischen Tieren, darunter seltenen weißen Tigern, hielt das Duo in den Jahren 1989 bis 2003 Millionen Fans in Atem.

Insgesamt 5750 Shows absolvierten Siegfried und Roy im für sie gebauten Hoteltheater, allein die Tickets spielten anderthalb Milliarden Dollar ein – die beiden Magier machten ein Millionenvermögen. Dabei war Hotelbetreiber Steve Wynn kein Träumer: „Die Entscheidung hatte nichts mit den Illusionen ihrer Show zu tun – es war eine rein geschäftliche Entscheidung, sie waren die Nummer eins in der Stadt.“

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Siegfried und Roy bei einem ihrer seltenen öffentliche Auftritte nach dem Unfall 2003.

Wie aus dem Ei gepellt präsentierten sich die Magier stets. Wie es hinter der Fassade aussah, drang erst nach dem Jahr 2003 etwas mehr nach außen, als der weiße Tiger Mantecore Roy am Genick packte und dieser aufgrund schwerer Verletzungen nie mehr auf die Bühne zurückkonnte.

Die Showzeit war damit vorbei, und Siegfried und Roy blieben anders im Gespräch. 2007 etwa erschien eine Biografie, in der die als offenes Geheimnis geltende Homosexualität der beiden bestätigt wurde. Demnach waren sie lange ein Liebespaar, ab 1998 allerdings getrennt. Auch von einer jahrelangen Medikamentenabhängigkeit der beiden wurde damals berichtet.

Bis zum Ende blieben Siegfried und Roy eng vereint. Fischbacher glaubte auch an ein Wiedersehen. „Roy ist jetzt drüben angekommen und bereitet dort alles für mich vor – das hat er mir so versprochen.“ (mit AFP)