Prince bei einem Konzert in Antwerpen im November 2010.
Foto:  imago stock & people/ Dirk Waem

Vier Jahre nach Prince’ Tod erscheint am Freitag die dritte Wiederveröffentlichung aus seinem ausufernden Katalog . Nach „Purple Rain“ und „1999“, beide schon in mehreren Fassungen, inklusive Live-DVD, Outtakes und unveröffentlichtem Material, ist es nun das Doppelalbum „Sign O’ the Times“. Ungeachtet der Chronologie beglücken die Erben des schwarzen Megastars der 80er nun die Fans in ihrer berüchtigten Sammelleidenschaft und werden sie um einige Euro erleichtern. Die Deluxe-Version in Vinyl kostet rund 300 Euro und besteht aus 13 Alben und einer DVD. Darunter das remasterte Originalalbum, Single-Auskopplungen, Remixe und mehr als 60 (!) unveröffentlichte Songs aus dem Archiv, das Prince zu Lebzeiten peinlichst hütete und aus dem selten nur etwas nach außen drang. So wie er sich allen digitalen Überarbeitungen seiner Musik verwehrte. Wem das zu teuer ist, der bekommt eine abgespeckte Version für rund 150 Euro oder die CD, inklusive Album und Single-Mixen für den regulären Preis von 16 Euro.

Dass es nun „Sign o’ the Times“ ist und nicht eines der beiden – für Prince’ Verhältnisse - schwächeren und weniger erfolgreichen Alben „Around the World in a Day“ und „Parade“, lässt befürchten, dass die Nachlassverwalter unter Umständen nicht alle Alben aus der fruchtbaren Ära des Musikers von Ende der 70er- bis Anfang der 90er-Jahre auf den Markt bringen werden. Nicht so tragisch, denn „Sign“ ist das Meisterwerk des flamboyanten Mulitalents, ein musikalischer Befreiungsschlag, mit dem Prince sich seiner Band The Revolution, seiner Freundin und allen New-Romantic-Rüschenfummeln mit einem Hieb entledigte.

Nachdem seine Plattenfirma Warner sich weigerte, das geniale „The Dream Factory“ als Triple-Album herauszubringen, dampfte ein wütender Prince die drei Platten und seine Entourage ein und versammelte die tollsten Tracks auf „Sign o’ the Times“, einer eklektischen Wundertüte aus Pop, Jazz, Funk, das sicherlich musikalisch zum Besten gehört, was die 80er-Jahre zu bieten haben. Ach, auch die 90er und folgende Jahrzehnte.

Den Ehrgeiz, etwas im Alleingang zu schaffen, ohne seine Mitstreiterinnen Wendy und Lisa und die restliche Band, spürt man in jedem Track, alles wirkt hochkonzentriert und ist gleichzeitig oft von einer flirrenden Leichtigkeit und Versponnenheit. Teils fröhlicher Irrsinn wechselt sich ab mit fast verstörendem Schwermut, um dann wieder voller Lebensfreude in die beiden für Prince üblichen Aggregatzustände Ekstase und Erlösung zu wechseln.

Dazwischen ging bei Prince viele Jahre und viele Alben nichts, „Sign o’ the Times“ ist auch dahingehend ein Befreiungsschlag mit Anklängen an den Pop der Beatles, an die von Prince verehrten Miles Davis und Maceo Parker und an Bands wie Sly and the Family Stone. Vorbei waren 1987 die Zeiten des „Purple Rain“-Bombasts. Auf den Nachfolgern „Around the World in a Day“ und „Parade“ war Prince noch teils zaghaft und mitunter akademisch an neue Einflüsse herangegangen, mit „Sign o’ the Times“ war es dann so weit: Prince war auf dem Höhepunkt seines Genies, seines herausragenden musikalischen Schaffens. Was danach folgte, war leider nie mehr so faszinierend und wegweisend wie dieses Doppelalbum.

Prince - „Sign O’ the Times“ (Warner Music)