Sigourney Weaver (links) und ihre Kollegin Margaret Qualley bei der Pressekonfernenz
Foto:  Andreas Rentz/Getty Images

BerlinSigourney Weaver ist der erste Star auf dieser Berlinale, natürlich richten sich die meisten Fragen bei der Pressekonferenz zum Film an sie. Dann aber stellt sich heraus, dass dieser Film „My Salinger Year“ nicht nur nach einer wahren Geschichte entstanden ist, sondern ein weiteres Wahrheitsmoment hat: Margaret Qualley, die die Hauptrolle spielt, sagt, dass sie fast geweint habe, als sie bei den Dreharbeiten zum ersten Mal auf Sigourney Weaver traf. Denn sie bewundere deren Arbeit so sehr.  

In dem Raum im Hyatt-Hotel, in dem ob all der Menschen mit Mikrofonen und Kameras und des Sprachengemischs stets Unruhe herrscht, wird es für einen Moment ganz still. Denn der Film erzählt ja nicht nur von einer jungen Frau, die Assistentin einer erfolgreichen Literaturagentin wird, er handelt auch von der Bewunderung für Künstler, deren Arbeit das eigene Leben beeinflusst haben.

Sigourney Weaver legt ihre linke Hand auf den Arm der jungen Kollegin. Im Vergleich zu der Beherrschtheit ihrer Figur wirkt diese Geste wie ein Gefühlsausbruch.

Im Film wird die Agentin einmal von einer Umarmung Joannas überrumpelt, die Szene zeigt deutlich die unterschiedliche emotionale Verfasstheit der beiden Frauen im Film. Darauf angesprochen, danken beide Schauspielerinnen dem Regisseur, der ihnen  nicht hineingeredet hatte. Überhaupt sei Philippe Falardeau sehr offen für den weiblichen Blick auf die Geschichte – und habe ja auch mit einer Kamerafrau gedreht.

Wenn Lesen Leben verändert

Keiner auf dem Podium wirkt glücklich, als der Vergleich zu „Der Teufel trägt Prada“ aufkommt. Der Film aus dem Jahr 2006 beschreibt zwar auch das Verhältnis zwischen einer Chefin und deren Assistentin, doch in ihm geht es um ein extremes Machtgefälle. Sigourney Weaver sagt über ihre Figur, die trüge zwar einen Panzer, aber „sie hat ihn aus Liebe zur Literatur angelegt“. Sie mag altmodisch wirken, wenn sie ihre Agentur von moderner Technik frei zu halten versucht, erklärt sie, „doch nicht, weil sie eine lächerliche Person ist, sondern weil sie ahnt, dass die Welt, für die sie lebt, mit diesen Entwicklungen untergehen wird“.

Sigourney Weaver wurde einst als Actionheldin berühmt (in „Alien“ von Ridley Scott), heute ist sie 70 Jahre alt. Sie passt hervorragend in solch einen Film über Literatur und eine junge Frau, die Schriftstellerin werden will. Denn sie entschied sich selbst im Teenageralter, nicht weiter Susan Alexandra zu heißen. Sie wählte ihren neuen Vornamen nach einer literarischen Figur aus F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“. Weil Lesen Leben verändern kann.