Schauspielerin Paula Beer wurde mit dem Silbernen Bär als beste Hauptdarstellerin in Christian Petzolds „Undine" ausgezeichnet.
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BerlinDafür, dass Paula Beer schon vor zehn Jahren als Schauspielerin debütierte, wirkt die Liste ihrer Filme recht kurz. Nun, sie ist auch erst 25 Jahre alt, da sind andere Leute noch nicht einmal mit dem Studium fertig. Lang dagegen erscheint die Reihe der Preise, die sie erhalten hat, anfangend mit dem Bayerischen Filmpreis für ihr Debüt in „Poll“. Am Sonnabendabend kam die bisher bedeutendste Auszeichnung dazu, der Silberne Bär als beste Hauptdarstellerin in Christian Petzolds „Undine".

Mit der Trophäe in der Hand war Paula Beer auf der Bühne des Berlinale-Palasts sofort bereit, die Ehre zu teilen. „Ich finde, man kann immer nur so gut sein wie sein Gegenüber“, sagte sie und lobte Franz Rogowski, der ihr Partner war in dem Film, als den „wunderbarsten Spiel-Mann, den man sich wünschen kann“. Als Liebespaar hatte ihr Regisseur die beiden unbedingt noch einmal besetzen wollen. In „Transit“, 2018 auf der Berlinale uraufgeführt, waren die Begegnungen der von ihnen verkörperten Figuren oft flüchtig, wie von einer unstillbaren Sehnsucht getragen. Als Marie in der Literaturverfilmung ist Paula Beer eine Erscheinung mit einer geheimnisvollen Aura.

Der glückliche Regisseur

In „Undine" sprengt die Nähe ihrer Figuren nicht nur das Glas eines Aquariums, sie wirkt so intensiv, dass sich ihr Strahlen auf andere überträgt. Dem Branchenmagazin Blickpunkt:Film erzählte Christian Petzold, dass er bei der Arbeit an dem Film „jeden Tag von Glück beseelt" gewesen sei. Paula Beer interpretiert in „Undine" die moderne Variante einer mythischen Figur sehr heutig, realitätsverwurzelt. Als promovierte Historikerin erklärt die junge Frau Berlinbesuchern den Charakter und die Entwicklung der Stadt. Über das Element Wasser ist sie mit dem Industrietaucher verbunden, den Franz Rogowski spielt. Am und im Wasser zeigt sie ihre geheimnisvolle Seite.


Die Liebesfähigkeit Undines unterscheidet sich deutlich von der Bankerin Jana Liekam, die Paula Beer in der Serie „Bad Banks“ verkörpert, mit der sie gerade wieder für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Da gibt sie sich kühl, berechnend und wird zuweilen von Panikattacken heimgesucht, die Paula Beer in erschütternd glaubwürdiger Weise darstellt.


Mit wenigen Rollen hat sie bewiesen, wie intensiv und authentisch ihr Spiel in den verschiedensten Situationen wirken kann. In „4 Könige" von Theresa von Eltz war sie eine psychisch labile Jugendliche. François Ozon besetzte sie in „Frantz" als junge Frau, die um ihren im Ersten Weltkrieg erschossenen Verlobten trauert und sich auf dessen angeblichen Freund einlässt, von dem sie ahnt, dass er lügt. Florian Henckel von Donnersmarck ließ sie die Frau des Malers in „Werk ohne Autor" spielen, selbstbewusst die Grenzen der Bürgerlichkeit überwindend.

Man erkennt Paula Beer in den Filmen und vertraut ihr, jedes Mal eine andere Person zu sein. Eine wie sie hätte man früher einen Filmstar genannt.