BerlinSimon Rattle wird ab 2023 neuer Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) – eine überaus erfreuliche Nachricht. Liest man Rattles Statement zur Vertragsunterzeichnung, fällt die Betonung des menschlichen Aspekts auf: Schon dem Teenager Rattle will bei einem Gastspiel des damals noch von Rafael Kubelik geleiteten Orchesters „so eine starke Verbindung zwischen Dirigent und Musikern“ aufgefallen sein: „Nicht nur strahlten sie pure Freude aus, es schien, als würden hier mit derselben Philosophie musizieren.“ Auch im folgenden spricht er immer wieder von „künstlerischer Wärme und Menschlichkeit“.

Rattle betont damit vermutlich das, was er vermisst hat in seinen Jahren mit den Berliner Philharmonikern. Die ungewöhnlich offene Formulierung Rattles, die Philharmoniker dirigieren sei wie grandioser Sex mit einer Person, die man nicht leiden kann, spricht bereits für sich. Und Gerüchte, die Philharmoniker hätten Rattle offen gesagt, dass sie sein Dirigat ignorieren würden, könnten immerhin erklären, warum dieser großartige Musiker in Berlin künstlerisch nur gelegentlich ein Bein auf den Boden gekriegt hat. Mit seinen Repertoire-Initiativen ist Rattle oft genug aufgelaufen, in vielen Konzerte blieben Dirigent und Orchester unter ihren Möglichkeiten.

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