Simone Dede Ayivis „The kids are alright“ feiert am Mittwoch in den Sophiensälen Premiere
Foto: Mayra Wallraff

BerlinEs ist erschreckend, sagt Simone Dede Ayivi. Wenn sie früher gefragt wurde, woher sie komme, antwortete sie oft: Frankfurt am Main. Ihre nahe, eigentliche Geburtsstadt Hanau kannte sowieso niemand. Seit dem 19. Februar 2020, als ein rassistisch gesinnter Mann dort neun Menschen in einer Shisha-Bar erschoss, ist Hanau jedem bekannt. Die Kleinstadt ist schlagartig zum neuen Symbol des alten Rassismus in Deutschland geworden. Dass dieser Rassismus nicht aus „Einzelfällen“ besteht, sondern sich als tief sitzender, struktureller Nervenstrang kreuz und quer durch das Gewebe der ganzen Gesellschaft zieht, darüber zweifelt man keinen Moment mehr, spricht man mit Dede Ayivi ein bisschen länger über das, was sie und viele andere nichtweißer Hautfarbe Zeit ihres Lebens alltäglich erfahren.

Wenn sich die 38-jährige Theatermacherin heute an ihre Kindheit und Jugend in Hanau erinnert, dann fand dort in den 80er- und 90er-Jahren einfach kein nichtweißes Leben statt, schon gar nicht im Theater, für das sie sich als Tochter eines Musikers früh begeisterte. Lebhaft und ausstrahlungsstark wie Simone Dede Ayivi auch heute jedem begegnet, wollte sie schon als Kind immer auf die Bühne, auch wenn das ein Ort war, den sie wie alles nur für Weiße reserviert vorfand. Gingen sie mit der Schule ins Theater, dann gab es da garantiert niemanden im Stück, der nicht weiß war. Und wurden doch mal People of Colour in einem Jugendprojekt thematisiert, dann garantiert nur als Problem.

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