Ein Mann und eine Frau stehen zu beiden Seiten eines Doppelbetts. Er reicht ihr über das von einem Baldachin gekrönte Bett eine weiße Rose, sie streckt die Hand danach aus. Das Zimmer wirkt aufgeräumt und unpersönlich wie ein Hotelzimmer, der Moment, den der Fotograf festgehalten hat, ist magisch. Dieser Fotograf heißt Markus Hawlik-Abramowitz, die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1982. Es ist eines seiner 50 Bilder, die in dem Band „Sinti in der DDR“ abgebildet sind. Er widmet sich einer Minderheit, die in der DDR kaum Beachtung fand, die diskriminiert wurde. Nachdem viele von ihnen während der Nazizeit verfolgt und ermordet worden waren, lebten nach 1945 nur rund 200 bis 300 Sinti in der DDR. Über Roma ist nichts bekannt.

Hawlik-Abramowitz’ Aufnahmen erinnern an die eines anderen Fotografen, der sich den Gypsies gewidmet hat: Josef Koudelka. Auf ihren Spuren fuhr Koudelka durch halb Europa, Markus Hawlik-Abramowitz fuhr nach Halle. 1981 lernte er dort am Stadtrand eine Sinti-Familie kennen. Damals studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Fotografie und hatte in der Bibliothek Koudelkas Aufnahmen entdeckt. Sie inspirierten ihn zu seinen eigenen Bildern, für die er später auch in andere Städte fuhr. Aus dem Projekt wurde seine Diplomarbeit, doch eine Veröffentlichung in der Zeitschrift Magazin scheiterte: Man habe gerade Aufnahmen jüdischer Musiker gebracht, nun nicht auch noch „Zigeuner“. So erzählt es Markus Hawlik-Abramowitz, Sohn eines jüdischen Vaters, in einem den Fotografien voranstehenden Text. Bis auf vier sind seine Aufnahmen in diesem Band also zum ersten Mal zu sehen. Es sind bemerkenswerte, intime Bilder in Schwarz-Weiß.

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