Wie wollen wir anfangen?
Ich kann etwas über die Entstehung unseres Salons erzählen.

Und ich tue so, als wäre außer uns niemand da und fange einfach an, Sie zu malen.
Den Salon haben wir vor zwei Jahren gegründet. Wir waren neun Hebammen und – was ist die männliche Form von Hebamme?

Das ist wohl einer der wenigen Berufe, der ausschließlich in Frauenhand geblieben ist.
Ist das ungerecht? Ich weiß nicht.

Wissen Sie noch, warum Sie diesen Salon gegründet haben?
Ich habe mit Begeisterung Rahel Varnhagens Biografie gelesen. In ihren ersten Salons Ende des 18. Jahrhunderts gab es immer nur Tee und Schmalzbrote. Mich hat das inspiriert. Den Rest machte die geistige Nahrung wett. Man sollte hinzufügen, dass Rahel Varnhagen nach ihrer Heirat mit einem wohlhabenden Mann einen weiteren Salon gegründet hat. Nach wie vor kümmerte sie sich hauptsächlich um die Vernetzung der einzelnen miteinander, legte fortan aber auch mehr Wert auf ausgiebiges, opulentes Essen.

Bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass es keine nennenswerten Salons männlicher Gründer gibt. Woran mag das liegen?
Man braucht ein gewisses Multitalent, muss Multitasking beherrschen. Man muss gut organisieren und improvisieren können, die Leute zusammenbringen, Kontroversen zulassen und Spannungen ausgleichen. Man muss uneigennützig Sympathie verströmen. Vielleicht können Frauen das besser.

Wären Sie lieber ein Mann?
In biologischer Hinsicht beneide ich Männer überhaupt nicht. Vielleicht wäre ich am ehesten gern ein Mann, was den Funktionalisierungstrieb angeht. Männer müssen immer noch mehr Geld verdienen als Frauen. Um diese Kraft und Selbstverständlichkeit des Gelderwirtschaftens beneide ich sie.

Wenn Sie diese Eigenschaften so wünschenswert finden, warum eignen Sie sie sich nicht an?
Ich versuche das schon, aber vorsichtiger. Ich merke schon, dass sich der eine oder andere im Publikum gerne dazu äußern möchte.

Wollen Sie sich schon einmal sehen?
(Ihr Bildnis betrachtend) Oha. Zum Teil bin ich das. Der obere Bereich. Die Haare haben Sie mir schöner gemalt. Aber mit der Mundpartie kann ich mich nicht recht anfreunden.

Was sagt das Publikum?
Eine Stimme: Die Nase ist eindeutig zu lang.
Ein Filmemacher: Das liegt daran, dass Sie sich um die Nase bis zum Schluss gedrückt haben.
Eine Malerin: Es kommt davon, weil Sie von oben angefangen haben, das Gesicht zu malen. Dann haben Sie von unten dagegen gearbeitet. Und in der Mitte reichte es dann vom Licht her nicht.
Carola Muysers: Oder viel einfacher: Durch den Schnupfen sind wir beide heute nasenfixiert.
(Klatschen.)

Wort & Bild: Susanne Schirdewahn