Das Museum Europäischer Kulturen in Dahlem macht auf eine Neuerwerbung aufmerksam. Es handelt sich um eine Skulptur des österreichischen Künstlers Gerhard Goder. Ihr Titel: Conchita Wurst auf der Mondsichel. Anlässlich des Christopher Street Days wird diese im aktuellen Schaufenster des Museums ausgestellt. Es handelt sich dabei um eine Vitrine im Foyer des Hauses in der Arnimallee.

Der in Berlin lebende Goder wurde zu der mit 1,50 Meter fast lebensgroßen Holzskulptur durch den Sieg des Travestiekünstlers Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst beim Eurovision Contest 2014 in Kopenhagen inspiriert. Sie erinnert an die Mondsichelmadonna. Dieses höchst beliebte Madonnen-Motiv geht auf eine Vision des Johannes von einer Frau zurück, die von Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und einem apokalyptischen Gefecht zwischen dem Drachen und dem Erzengel Michael ausgesetzt wird. Möglicherweise steht Conchita Wurst aber auch deshalb auf einer Mondsichel, weil diese einer Wurst ähnelt.

Für Elisabeth Tietmeyer, Direktorin des Museums Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin, steht die Mondsichel-Conchita nicht nur für Toleranz und Akzeptanz anderer Lebensweisen, sondern zeigt durch die Bildbezüge zu traditionellen Formen des Religiösen auch Zusammenhänge zu der historischen Sammlung des Museums. Tatsächlich steht die Darstellung der Conchita mit ihrem entrückten Ausdruck, dem wallenden Haar und der Krone ikonografisch in der Tradition von Jesus- und Mariendarstellungen. „Im Gewand der Tradition regt die Plastik zur Reflexion von Lebenswelten in der europäischen Gesellschaft und zum Verständnis neuer Kulturphänomene ein“, sagt Elisabeth Tietmeyer.