Jahrelang haben sie nur davon gesprochen. Jetzt ist es ihnen offenbar tatsächlich ernst damit, eigene Serien zu produzieren. Gestern kündigte der Pay-TV-Sender Sky Deutschland an, gemeinsam mit Sky-Sendern in England und Italien die Bücher um die Comicserie „Diabolik“ verfilmen zu lassen. Sky plant zehn Episoden über den Meisterdieb. Im November kündigte Sky an, eine zwölfteilige Krimiserie gemeinsam mit ProSieben zu produzieren. Es überrascht nicht, dass Sky-Chef Brian Sullivan nun Mut für solche Investitionen hat.

Als er Anfang Februar seine Bilanzzahlen verkündete, präsentierte Sullivan einen Kuchen in Form eines Receivers, symbolisch verziert mit Geldscheinen. Die Botschaft: Erstmals erwirtschaftete Sky einen Jahresgewinn! Der PR-Chef von Sky veröffentlichte das Bild auf Twitter. Wer nur dieses Bild und den ersten Gewinn eines Pay-TV-Senders in Deutschland im Kopf hat, den überrascht nur, wie sehr Sullivan im Interview betont, dass man nicht gefeiert habe. Es ist ihm wichtig. Er sagt das zwei-, drei Mal.

Sullivan will weitermachen

Es gab auch keinen Blumenstrauß und kein Glückwunsch-Telegramm von den Eigentümern. Dafür habe er Mehrheitseigentümer Rupert Murdoch beim Super Bowl-Finale im Football in den USA getroffen und bei dieser Gelegenheit habe der sich „sehr zufrieden“ über die Entwicklung von Sky Deutschland geäußert. Einzelheiten will Sullivan nicht verraten, nur so viel: Er befinde sich momentan in Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung über 2014 hinaus. „Wenn der Aufsichtsrat es möchte, kann ich mir gut vorstellen, bei Sky Deutschland weiterzumachen.“ Er klingt zuversichtlich.

Wer die Unternehmenszentrale von Sky Deutschland in München-Unterföhring betritt, gleich neben dem ZDF-Landesstudio und der ehemaligen Zentrale von Leo Kirch, der kann im ersten Stock das Studio des Sportsenders Sky Sport News HD sehen. Dort oben haben früher die Vorstände von Sky gegrübelt, wie sie endlich aus den roten Zahlen kommen. Seit Ende 2011 sendet hier Sky Sport News HD rund um die Uhr Sportnachrichten und soll dafür sorgen, dass der Bildschirm in den Bars nicht schwarz bleibt, wenn gerade kein Live-Spiel übertragen wird. Er ist die beste Werbung für das Programm.

Vor zwei Jahren besuchte Rupert Murdoch Redaktion und Studio und ließ sich die moderne Technik erklären. Drei Personen leisten hier, was bei Murdochs Sendern in England 16 und in Italien 10 Personen umsetzen. Murdoch sei beeindruckt gewesen, sagt Roman Steuer, der Chef des Sportsenders.

Fritz von Thurn und Taxis, Uli Köhler und Marcel Reif mögen das Image des Senders durch ihre Bildschirm-Präsenz prägen. Die Sport-Moderatoren seien die ältesten Mitarbeiter, sagt Steuer, der beim Bayerischen Rundfunk begann, dann für das Deutsche Sportfernsehen arbeitete und die Live-Berichterstattung von Sky leitete, bevor er ab 2011 in acht Monaten den Sportsender aufbaute. Heute arbeiten dort 100 Redakteure, die im Schnitt nicht älter als 30 Jahre sind. Alle wurden bei Sky angelernt. Sie haben drei Bildschirme vor sich und einen Kopfhörer auf. Techniker und Cutter benötigen sie nicht, weil sie ihre Beiträge fertigen und selbst auf Sendung geben.

Newsroom und Studio sind das sichtbarste Zeichen, wie Sullivan Sky verändert hat. Er gab dem Pay-TV-Sender den deutlichen Anstrich eines Sportsenders. Sport, vor allem Fußball, sei der Schlüssel zur Eingangstür von Sky. Viele Abonnenten kommen durch diese Tür. Aber das reicht nicht. Wenn Sullivan eines gelernt hat, dann das: Pay-TV ist nicht wegen einer einzigen Sache und aufgrund eines Programms erfolgreich, sondern wegen tausender Dinge, die alle stimmen und funktionieren müssen. Kundenservice genauso wie das Programm. Deshalb die Lizenzverträge mit amerikanischen Filmstudios und Sendern, die Sky „House of Cards“ und andere Erfolgsserien bringen, deshalb jetzt die Eigenproduktionen.

Es ist nun einige Jahre her, da hatte der Sender plötzlich seinen Namen verloren. Zeitungen schrieben nur noch von dem „chronisch defizitären Bezahlsender“. Jeder wusste, welcher Sender gemeint war. 25 Jahre machten Teleclub und die Nachfolger Premiere und Sky nichts als Verluste. Das Pay-TV riss Leo Kirch und sein Medienunternehmen in den Abgrund. Murdoch investierte einen Milliardenbetrag. Es half zunächst nicht viel. Vor zwei, drei Jahren begann sich die Situation zu drehen, 2013 hat Sky erstmals einen operativen Jahresgewinn in Höhe von 35 Millionen Euro erwirtschaftet. Sullivan nennt es einen „Meilenstein“. Er hat für Murdoch geschafft, woran Leo Kirch und Bertelsmann scheiterten und Bezahlfernsehen zu einem Geschäft gemacht.

Ein Zeichen

Dass es keine Blumen und keine große Feier in München gab, liegt daran, dass es unterm Strich nach Abzug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen auch 2013 ein Verlust bleibt – und zwar von 133 Millionen Euro. Größter Negativwert sind die Zinsen, gefolgt von Steuern und Abschreibungen aus Premiere-Zeiten. Aber der operative Gewinn ist ein Zeichen und straft all jene Lügen, die behaupten, dass sich Bezahlfernsehen wegen der starken öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland nicht lohne.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen und Pay-TV in Deutschland profitabel wird,“ sagt Sullivan. „Ich habe das alles schon einmal erlebt, bei BSkyB und in anderen Märkten: Auch in Großbritannien glaubte zehn Jahre lang niemand an den Erfolg, bis er sich dann einstellte. Pay-TV ist ein Geschäft, das ziemlich vorhersehbar ist. Nur sind die Anfangsinvestitionen hoch und man muss viel Geduld aufbringen. “

2014 soll sich der operative Gewinn auf 70 bis 90 Millionen Euro erhöhen. Die Kundenzahl, die 2013 um 300 000 auf 3,7 Millionen wuchs, soll dann bei mehr als vier Millionen liegen. Am 4. März wird Sullivan in Berlin eine Studie vorstellen, wonach Pay-TV „sich in den vergangenen Jahren neben dem gebühren- und dem werbefinanzierten Fernsehen als eigenständige dritte Säule der Fernsehunterhaltung fest in Deutschland etabliert“ habe, wie es in einer Ankündigung heißt.