Was tut der Mensch, wenn er weiß, dass morgen die Welt untergeht? Martin Luther wollte angeblich ein Apfelbäumchen pflanzen. Das Finale der Sky-Serie „8 Tage“ hat eine besondere Variante parat. Am Tag, an dem ein Asteroid auf der Erde einschlagen wird, steckt der Polizist Deniz (Murathan Muslu) noch einen Strafzettel an ein Auto, das verlassen auf einem vermüllten Parkplatz steht. Er ist der Letzte, der seinen Posten hält.

„8 Tage“ erzählt im Countdown von acht Folgen, wie eine Berliner Familie versucht, der Apokalypse zu entkommen. „Horus“ rast auf die Erde zu, alle Versuche der Amerikaner, den Asteroiden abzulenken, scheitern. Den Science-Fiction-Schnickschnack überlässt die Serie Hollywood, wo derlei Szenarien schon öfter durchgespielt wurden. „Horus“ erscheint nur im Vorspann als bizarr zerklüfteter Fels, der von sakralen Arien besungen wird. Der Weltuntergang findet im Kopf statt.

Autoren von „8 Tage“ machen sich einen grimmigen Spaß

In den ersten Folgen stecken die Mitspieler noch voller Energie. Die Ärztin Susanne (Christiane Paul) und der Physik-Lehrer Uli (Mark Waschke) flüchten mit ihren beiden Kindern im Auto nach Osten, wo sie sich dubiosen Schleppern anvertrauen, die sie angeblich in Sicherheit bringen wollen. Susannes Bruder Hermann (Fabian Hinrichs), der für die Bundesregierung arbeitet, hat für sich und seine hochschwangere Freundin Marion (Nora Waldstätten) ein Flugticket ins sichere Amerika gebucht. Nur Egon (Henry Hübchen), Vater von Susanne und Hermann, ein verwitweter Ex-NVA-Offizier, weigert sich zu gehen.

Die drei Autoren Rafael Parente, Peter Kocyla und Benjamin Seiler machen sich einen grimmigen Spaß daraus, die Flüchtenden immer wieder scheitern zu lassen. So wird erst der Einschlagsort verschoben: Statt in Frankreich soll „Horus“ nun in Kasachstan einschlagen – die Fluchtwelle gen Osten flutet zurück. Aber auch die Flugzeuge gen Amerika bieten keinen Platz mehr. Der Kampf um Fluchtfahrzeuge wird immer brutaler – zuweilen erinnert die Szenerie an den Film „Wolfzeit“, den Michael Haneke 2003 fürs Kino inszeniert hatte. Auch „8 Tage“ führt mit sarkastischem Humor vor, dass es im mitteleuropäischen „Abendland“ keinen Deut zivilisierter als in anderen Regionen der Welt zugehen würde, wenn die Katastrophe vor der Tür steht: Nur wer Waffen hat, kann sich durchsetzen.

Oft sind die ruhigeren Momente sogar die besseren

Zugleich bedient das Drehbuch auch populistische Motive. So sind die Politiker hier allesamt korrupt und zynisch. Statt, wie versprochen, Millionen Bunkerplätze zu bauen, hat die Bundesregierung nur Zuflucht für die eigene Entourage errichtet. Der Zugang erfolgt nach undurchsichtigen Kriterien, erweist sich sogar als Falle. Sicher scheint nur, wer selbst vorgesorgt hat: Der Betreiber eines Baumarktes hat einen Privatbunker errichtet. Nur er bestimmt, wer zu den Überlebenden gehören wird. Gespielt wird er von Devid Striesow, der dem Typ seine ganz eigene Mischung aus Jovialität und Brutalität mitgibt.

Wie „Das Boot“ und „Der Pass“ bietet auch die dritte Sky-Serie binnen kurzer Zeit eine prominente Besetzung auf, auch hinter der Kamera. Neben dem Schweizer Newcomer Michael Krummenacher führt der Österreicher Stefan Ruzowitzky („Anatomie“) Regie, der 2008 für das KZ-Drama „Die Fälscher“ den Oscar bekam, Striesow war damals einer seiner Hauptdarsteller.

Doch 8 Folgen, also sechs Stunden, können nicht permanent hochtourig laufen. Immer wieder gestattet sich „8 Tage“ Szenen, in denen die Helden innehalten und zurückblicken – oft sind diese ruhigeren Momente sogar die besseren. Zu Beginn jeder Folge springt die Serie in die Vorgeschichte einer Figur zurück, mal sechs Tage, mal über 21.000 Tage. So erfährt der Zuschauer, dass der Jugendfreund, den Egon besucht, einst seine Jugendliebe war, dass ein junger Glatzkopf, der mit anderen eine letzte bacchantische Sex-Orgie feiert, an Krebs leidet oder dass Robin, der von einer Kiffergruppe als Erlöser gefeiert wird, aus dem Gefängnis entlassen worden war. Nicht alle Rückblenden indes erscheinen dramaturgisch zwingend.

Schauspielerisch bleibt „8 Tage“ auf einem hohen Niveau

Überhaupt hat die Serie Probleme, die Dynamik über acht Folgen zu halten. „Wenn wir uns alle wie die Tiere benehmen, können acht Tage sehr lang werden“, sagt der Polizist Deniz, der mit Ärztin Susanne eine Affäre hat. Der Kampf um die rettenden Bunker wiederholt sich einige Folgen lang. Doch schauspielerisch bleibt „8 Tage“ auf einem hohen Niveau. So beeindruckt Christiane Paul als eine Art „Wolfsmutter“, die alles für ihre Kinder tut – sich schließlich sogar mit dem schmierigen Bunkermann einlässt.

Mark Waschke spielt einen Idealisten, der zum Kämpfen gezwungen wird. Lena Klenke hat als Tochter Leonie, die mit Erlöser Robin ihre erste Liebe erlebt, starke Momente. Luisa-Celine Gaffron als Leonies Freundin zeigt pure Lebensgier. Ein Paar voll Spannung spielen Nora Waldstätten und Fabian Hinrichs – sie weiß bis zum Schluss nicht, ob der Jungpolitiker ein Opportunist ist oder wirklich alles tut, um sie zu retten. Der jungen Mutter mit dem Baby auf dem Arm gehört schließlich die eindrucksvoll Schlussszene.

8 Tage acht Folgen, ab 1. März auf Sky