„Wasserbomben!“, schreit der Funker − für die Mannschaft des deutschen U-Boots 1942 eine letzte Warnung. Explosionen erschüttern das Schiff und die Seeleute, es gibt Lecks, das Wasser steigt immer weiter, einer an Bord erschießt sich, um nicht zu ertrinken, zuletzt sieht man eine auf dem grauen Atlantik treibende Offiziersmütze. So beginnt „Das Boot“, eine achtteilige, von Sky, der Bavaria und der US-Firma Sonar Entertainment produzierte „Event-Serie“. Das Grauen des U-Boot-Kriegs, bärtige, etwas schmuddelige Seeleute, der Kampf gegen Feinde wie auch die Elemente – damit schließt die Eröffnungssequenz fast nahtlos den gleichnamigen Klassiker von 1981 an.

Wolfgang Petersen hatte damals das Buch des ehemaligen Kriegsberichterstatters Lothar Buchheim verfilmt und einen Nerv getroffen. Nicht nur beim (west-)deutschen Publikum: Spannungen und Strapazen an Bord eines U-Boots der Reichsmarine während des Zweiten Weltkriegs fern von jedem Glanz, das kam, politisch betont unscharf gehalten, bei ewiggestrigen „Landser“-Lesern ebenso gut an wie bei internationalen Zuschauern; die Kino-Fassung von Petersens Film wurde für sechs Oscars nominiert.

Eine Fortsetzung, die neun Monate später spielt

Das Ensemble war damals ein Who’s who bald prominenter Charakterköpfe und Superstars: Für Herbert Grönemeyer, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht, Ralf Richter, Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge und Jan Fedder war „Das Boot“ der Durchbruch, Petersen und Jürgen Prochnow, der den erfahrenen wie mitfühlenden namenlosen Kommandanten (alias „Der Alte“) spielte, führte der Erfolg bald nach Hollywood. Die U-Boot-Fahrer als Jäger wie Gejagte, Dutzende Männer, eingepfercht in eine Stahlröhre: Petersen wie Buchheim hatten damals den harschen Alltag beschrieben und nebenbei eifrig am Mythos unpolitischer, moralisch weitgehend unbelasteter Seeleute gestrickt.

Das ist die Linie, die auch Skys „Das Boot“ unter der Regie von Andreas Prochaska verfolgt. Nur im Promo-Nebensatz und im Kleingedruckten wird klar, dass es sich nicht um eine Neufassung von Petersens Film oder eine Neuverfilmung von Buchheims Büchern „Das Boot“ und „Die Festung“ handelt, sondern um eine Art Fortsetzung, die neun Monate später spielt. Offizier Klaus Hoffmann (Rick Okon) erhält da das Kommando von „U 612“, der Sohn eines gefeierten Kriegshelden soll als Kapitänleutnant zum Star der U-Boot-Flotte werden. Doch ihm steht an Bord seine Nummer zwei, der erste Wachoffizier („Eins-Weh-Oh“, auch das neue „Boot“ betont den Slang), weniger zur Seite als feindselig gegenüber: Der erfahrene Tennstedt (August Wittgenstein) hält Hoffmann nur für ein mutloses Papasöhnchen. Hoffmann leidet am Druck, auch ein Held zu sein zu müssen, Tennstedt versucht, seine Albträume mit Amphetamin im Griff zu behalten. Ein angespanntes Verhältnis, eine reizvolle Prämisse, Gegenspieler auf engstem Raum.

International gängige, glatte Serien-Dramaturgie

Doch dieses neue „Boot“ bleibt nur selten an Bord von „U 612“. Entlang der Buchheim’schen Ideen und Motive entwickeln Prochaska und ein Team erfahrener Serien-Autoren lieber lange Landgänge. Weitschweifig folgt Skys „Das Boot“ der Elsässerin Simone Strasser (Vicky Krieps), Schwester des „U 612“-Funkers Frank und Übersetzerin bei der Reichsmarine in La Rochelle. Unfreiwillig stolpert die junge Frau in ein eher konstruiertes Dreiecksverhältnis, umworben von Gestapo-Kriminalrat Forster (Tom Wlaschiha) und unter Druck gesetzt von der amerikanischen Résistance-Anführerin Carla (Lizzy Kaplan), der Frank kriegswichtige Informationen zuspielen sollte. Simones Geschichte bleibt dabei, wie vieles bei diesem „Boot“, nur Skizze und Behauptung.

Es gibt keine Nazis bei „Das Boot“, kein „Heil Hitler“, keine überzeugten Parteigänger, nicht einmal als Gegenentwurf zu den natürlich wackeren, als Figuren oft nur angedeuteten U-Boot-Männern. Petersens Film war, im Guten wie im Nicht-so-Guten, urdeutsch, ein authentischer Blick auf schwere Zeiten, die Sky-Version setzt auf international gängige, glatte Serien-Dramaturgie: Ein bisschen Nacktheit, ein Hauch von Gewalt und Sex, man bleibt stets adrett, man spricht viel Englisch – Carla, der Rüstungsfinanzier Greenwood (Vincent Kartheiser), den „U 612“ zu einem Austausch auf hoher See fährt, sogar der Gestapo-Mann Forster, weil der kein Französisch kann. Klar wird, dass es bei diesem „Boot“ letztlich nicht um deutsche Geschichte geht oder darum, was Buchheims Erzählung einem hiesigen Publikum 2018 mitgeben kann, sondern nur um die kommerzielle Verwertung einer prominenten Marke. „Krieg“, sagt Greenwood einmal, „ist doch nur eine Abzocke.“ Genau so fühlt sich Skys „Das Boot“ auch an.