Buyantogtokh Rentsen (r.) nach der Filmpremiere in Berlin
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Berlin -  Nach der Vorführung des in der Mongolei spielenden Films „Schwarze Milch“ stand einer der Darsteller draußen vor dem Kino. Ein freundlicher älterer Herr in einem bodenlangen Gewand, zusammengehalten von einem Ledergürtel mit einer verzierten Silberschnalle. An der Brust trug er mehrere Orden. Die schienen mir ein guter Anknüpfungspunkt für ein Gespräch. 

Der am stärksten glänzende war der Goldene Polarstern. „Das ist das Bundesverdienstkreuz der Mongolei“, erklärte der Dolmetscher. Buyantogtokh Rentsen habe ihn für seine langjährigen Dienste als Polizeichef des südlichen Distrikts erhalten. „Vom Polizeichef zum Schauspieler, was für eine Karriere“, brachte ich heraus. Das amüsierte ihn, und er erklärte, er sei auch Pferdetrainer gewesen, das könne man seinem Hut entnehmen. Den schmückte vorne eine silberne Medaille mit einem Pferd. Er deutete auf einen leuchtend roten Schal, der ihm über die Schulter hing. Er hatte die Form einer Krawatte, war mit blauen und gelben Kreisen und Halbmonden verziert. Sie symbolisierten die Rennen, an denen er mit seinen Pferden teilgenommen hat, die Siege, übersetzte der Dolmetscher. Kleidung, die Botschaften enthält.

„Schwarze Milch“ ist ein Film der Regisseurin Uisenma Borchu, die 1988 mit ihren Eltern aus der Mongolei nach Ost-Berlin kam. Da war sie vier. Später hat sie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. „Schwarze Milch“ spielt in der weiten Wüste Gobi, unter Nomaden, er handelt von zwei Schwestern, von denen eine in Deutschland lebt. Nun, nach vielen Jahren ist sie zurückgekommen. Konflikte schwelen, Tabus werden gebrochen, es gibt eine Sexszene. Buyantogtokh Rentsen, den einstigen Polizeichef, hat das nicht davon abgehalten, mitzumachen, in einer Nebenrolle als Familienangehöriger. „Er ist ein Nomade und ein Freund von Uisenmas Vater Borchu Bawaa, der auch als Nomade aufwuchs“, schrieb der Produzent und Kameramann von „Schwarze Milch“, Sven Zellner, ein paar Tage später auf meine Frage, wie es dazu gekommen sei.

Die kurze Begegnung wirkt nach. Sie war wie ein Fenster in eine andere Welt. So ein Aufeinandertreffen gibt es nur bei der Berlinale.