Ferkel haschen in "Gunda" von  Victor Kossakovsky nach Regentropfen.
Foto:  Berlinale

Berlin -  Tiere spielen auch in diesem Jahr wieder eine zentrale Rolle bei der Berlinale. Einer Ziege etwa verdankt sich der überraschendste Akt weiblicher Emanzipation, der je in einem Film zu sehen war. „Schwarze Milch“ heißt der Film von Uisenma Borchu, und er spielt in der Mongolei,unter Nomanden, wo Schlachten Männersache ist.  Aber der Mann einer der weiblichen Heldinnen ist ein Nichtsnutz. Er trinkt lieber mit seinen Freunden als zu Hause anzupacken. Und so setzt seine Frau, angestachelt von ihrer Schwester, selbst das Messer an, macht einen kleinen Schlitz in den Bauch des Tiers, greift mit der Hand hinein in diesen Körper und reißt die Aorta aus dem Herzen. So schlachtet man  in diesen Breiten, und es geht schnell, wirkt sogar friedlich. 

Im Abspann, wo üblicherweise erklärt wird, dass bei den Dreharbeiten kein Tier zu Schaden gekommen ist, heißt es bei diesem Spielfilm, dass die Schlachtszenen dokumentarisch seien. Soll heißen, die Tiere wurden ohnehin geschlachtet, in der Wirklichkeit der mongolischen Steppe braucht man so etwas nicht zu inszenieren.

Die erste Kuh in Oregon

Es wird auch viel gemolken in der Mongolei, aber längst nicht so hingebungsvoll wie in dem Wettbewerbsfilm „First Cow“, der das animalische Element bereits im Titel trägt. Dieser grandiose Western spielt im rauen, dreckigen Oregon des 19. Jahrhunderts, und die Kuh ist so fremd hier, wie all die weißen Männer und auch der Chinese, die in diesen Breiten ihr Glück machen wollen. Von weither herbeigeschafft hat sie ein englischer Snob, der seinen Afternoon Tea gern mit Milch trinkt. Gemolken wird sie des Nachts verbotenerweise aber auch von Cookie. Wenn er nach ein wenig freundlichem Small Talk während des Akts den Kopf an ihre Flanke lehnt und seine Finger rhythmisch die Zitzen massieren, fühlt man die Erotik des Melkens. Die Milch ist nicht schwarz, aber gestohlen.

Nur noch Tiere dann in „Gunda“ von dem russischen Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky. Kühe werden nicht gemolken, man sieht ihnen zu. Produziert hat ihn der Veganer Joaquin Phoenix, der erst vor ein paar Tagen wieder ein Kalb aus einem Schlachthaus getragen hat. Es fällt kein Wort, und doch ist der Film ein einziger Appell. Wer hiernach nicht mindestens zum Vegetarier wird, hat ein Herz aus Stein.