Auf dieser Homepage kann man Telefontermine vereinbaren.
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BerlinDer Intendant des Berliner Ensembles Oliver Reese sprach in dieser Zeitung davon, dass sich der Theaterbesucher in den ersten Vorstellungen nach dem Corona-Lockdown wie ein König vorkommen werde: Wenn man da aus hygienischen Gründen fern von den Mitzuschauern in der Weite des Saales sitze und exklusiv von der Bühne angesprochen werde. 

Die quälende Kontaktsperre zwischen Bühne und Parkett lässt Sehnsüchte wachsen, die vielleicht hier und da über das übliche Maß an Verbundenheit hinausgehen. Man leidet an derselben Sache, das schweißt zusammen.

Das 2015 an einem Küchentisch gegründete und inzwischen zu einer machtvollen Interessenvertretung gewordene Ensemble-Netzwerk verknüpft dieses Mangelgefühl mit dem weit existenzielleren von Künstlerinnen und Künstlern, die wegen Corona mit Einnahmeausfällen zu kämpfen haben. Das Ganze heißt „Bei Anruf Kunst“.

An der Aktion nehmen Schauspielerinnen und Schauspieler teil, die man gut von Bühne, Leinwand oder Bildschirm kennt. Mit wenigen Klicks auf chezvous.simplybook.it/v2/ kann man sich einen von ihnen aussuchen und einen Telefontermin vereinbaren. Exklusiv! Wer will, kann dann für in Not geratene Theaterschaffende was spenden. Über 75.000 Euro sind schon zusammengekommen.

Harald Schmidt und Sophie Rois waren leider schon ausgebucht. Gern hätte ich mir auch Robert Walser von Stefan Kurt vorlesen lassen. Leider hatte ich zu dem angebotenen Termin schon was anderes vor, was zwar traurig, aber irgendwie auch erhebend ist, weil man sich so wichtig vorkommt. Geklappt hat es mit Jens Jessen, der ist zwar kein Schauspieler, sondern Journalist − macht aber trotzdem mit. Er hat früher mal das Feuilleton der Berliner Zeitung geleitet, vor meiner Zeit, was ich immer bedauert habe, weil ich seine Tierporträts mit tiefer Freude lese. Er hat jetzt meine Telefonnummer.