Berlin - Seine Musik bewegt sich irgendwo zwischen dem energischen Widerklang einer Großraumdisco und den versprengten Beats bei einem sommerlichen Outdoor-Rave. Zwischen solchen Orten pendelt der 46-jährige Musikproduzent Mladen Solomun. Seit über 15 Jahren tourt, mischt und werkelt er am Soundgerüst der (inter-)nationalen Deep House Szene mit und war auf Festivals wie dem Coachella, der Fusion und dem Tomorrowland genauso gern gesehen wie in Ibizas berüchtigtem Club „Pacha“. Mit dem Konzept „Solomun + 1“ machte er sich so auch unter den gut betuchten Fans der elektronischen Tanzmusik einen Namen.

„Nobody Is Not Loved“ (zu Deutsch: niemand wird nicht geliebt) heißt nun sein zweites Album, das er als DJ Solomun veröffentlicht. Dem Deep House, der melodischen Variante des House, das auf weniger Schläge pro Minute, aber einen die tanzenden Körper tief durchdringenden Bass setzt, bleibt er darauf treu. Und doch bewegt er sich auch dort von betont lässigem Straßensound bis hin zu Stücken, die wie die Vertonung der düstersten Morgenstunde klingen. Gleichzeitig wirkt die Platte so sorgsam kuratiert, als sollte die Abfolge sagen: Hier steckt kein Zufall drin. Seit seinem Debüt „Dance, Baby“ vor zwölf Jahren ist immerhin einiges passiert.

Auf Ibiza und im Watergate zu Hause

So hat der in Hamburg lebende Künstler über 50 Remixes produziert. Es gibt Solomun-Versionen der Songs von Leonard Cohen, Lana Del Rey und Moderat. Sein Boiler-Room-Set hat auf YouTube über 50 Millionen Klicks, sein Mix von Noir & Haze „Around“ fast 100 Millionen und wurde 2011 vom britischen Internetportal Resident Advisor zum Remix des Jahres gekürt. In Berlin gehörte er zu den regelmäßigen Acts im Watergate – dem Club, der die Kreuzberger Techno-Szene entscheidend vorantrieb. 2006 gründete Solomun das Label Diynamic, wo auch seine Schwester „Magdalena“ unter Vertrag steht. Etwas ernüchternd: Laut der Label-Homepage ist sie dort nur eine von zwei Frauen.

Jamie Foxx zuckelt durch L.A.

Bunter sieht es unter den Features auf „Nobody Is Not Loved“ aus. Neben der britischen Sängerin Anne Clark (Take Control) liefert die Berliner Gruppe Isolation Berlin mit „Kreatur der Nacht“ einen schmetternden Indiesound ab. Die Band Ätna beglückt die Platte mit gleich zwei Songs. Ein Fehler, vielleicht? Denn vor allem mit „Tuk Tuk“, das stark vom treibenden Takt des westafrikanischen Dance-Pops inspiriert scheint, setzt die Sängerin Inéz Schäfer der Hörerin einen solch beharrlichen Ohrwurm ins Hirn, dass Lieder wie „Your Love Gives Me Gravity“ danach eher flach klingen.

Insgesamt hält Solomun an bewährten Konzepten fest, kombiniert tröpfelnde Bässe mit flockigen Melodien und findet dazu obendrein die passende Visualisierung. Auf „Ocean“ gibt der Schauspieler Jamie Foxx mit seiner beeindruckend hohen Stimme nicht nur den wummernden Bässen und Blasinstrumenten eine Richtung, sondern schlendert im dazugehörigen Video schulterzuckend und schnipsend durch das nächtliche L.A.

Solomun: Nobody Is Not Loved (BMG/Warner) ist ab dem 28. Mai erhältlich